Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 94)
- Language
- German
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Die Baalsfeuer.*) Je mehr sich die Gefährten dem Osten nahten, um so kriegerischer wurde das Gepräge der Umgebung. Züge mit Waffen und Munition kreuzten ihren Weg. Immer mehr Uniformen belebten die Bahnhöfe und drängten sich in den offenen Wagen vorbeirollender Güterzüge. Sie kamen vor erschwerenden militärischen Massnahmen fast gar nicht mehr vorwärts. Nur dem Ansehen des Kaplans verdankten sie es, dass man sie überhaupt noch Weiterreisen liess. Denn sie waren jetzt in die Nähe der östlichen Hauptstadt gelangt, der eigentlichen Kriegszone. Schon hörte man das dumpfe unterirdische Rollen ferner Geschütze und das Surren der Propeller erschütterte die Lüfte. Überall stiessen sie auf Gräben und Erdaufwürfe. Über Teiche und Bäche waren Notbrücken geschlagen und schwere militärische Lastwagen rollten in dicken Staubwolken über die Strasse. Sie erfuhren, dass bereits in den Strassen der Hauptstadt gekämpft werde und dass die Ukrainer mit unterliegenden Kräften Haus für Haus verteidigen. Der *) Anmerkung der Redaktion. Der jüdische Dichter Max Rosenkranz in Bern, der unsern Lesern durch seinen Kulturroman „Gad der Seher“, und seine zum vorigen Jahrgang unseres Jahrbuches beigetragene chassidische Legende „Martyrium“ rühmlichst bekannt ist, wird in einem demnächst in einem schweizerischen Verlag erscheinenden Zyklus „Baal“ ein Kulturgemälde des Nachkriegs-Europa in den Schilderungen der wechselvollen Erlebnisse aus der1 sibirischen Gefangenschaft heimkehrender Geiseln entrollen. Unser Bild stellt den Einzug dreier Heimkehrender, eines gewesenen Staatsanwaltes, eines Bürgermeisters und eines katholischen Kaplans in Lemberg dar. Zeit der Handlung: Ende November 1918.