Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
- Issue
- 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 85)
- Language
- German
- Belongs to
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84 folge allein wiegen schon grosse Taten auf. Kommt nun noch hinzu, was bisher politisch erreicht worden ist, so ist dies wohl das Höchste, was nach gesundem Verstand bisher irgendwie zu erwarten war. Es ist eine schöne Sache um die Begeisterung; sie muss aber vom Verstände gelenkt sein. Politischer Dilettantismus feiert billig angeblich grosse Siege, die sich später als schwere Niederlagen entpuppen. Nationaler Chauvinismus hat es leicht, Festhymnen zu singen, wenn das dicke Ende nachkommt. Zeiten des Überschwangs hat das Judentum leider schon oft erlebt, und schon oft hat es seinen Chauvinismus mit schweren Verlusten entgelten müssen. Auch hervorragende Gelehrte und fromme Gemeinden folgten Sabbathai Zewi’s Ruf und erkannten die Wahrheit erst nach dem schmachvollen Fiasko. Möge uns der Himmel vor Verhängnissen bewahren! Mögen wir uns aber auch selbst vor Verhängnissen bewahren, dass wir nicht zu hoch unsere Erwartungen schrauben! Es liegt in der Natur der Sache, dass immer etwas höher gezielt werden muss, wenn die abzuschiessende Kugel ihr Ziel treffen soll. Der Zionismus hat alles, was nach menschlichem Dafürhalten im Rahmen seines Programms zu erreichen war, erreicht, und letzten Endes ist ihm auch die hohe Errungenschaft zuzuschreiben, dass im ganzen Lande die Sabbathruhe proklamiert wurde. Deshalb sind ihm alle Parteien zu hohem Dank verpflichtet. Seinem Wesen nach ist der Zionismus indes auch nur ein Teil, und naturgemäss müsste er nun das Errungene seiner Mutter, der Gesamtorganisation zuführen. Dies möchte er logischerweise auch gern tun, wenn er nur irgendwo die Gesamtorganisation fände. Sie existiert noch nicht — leider. Sie muss aber sein, und darum עורו ישנים ״wachet auf, ihr Schlafenden!“ Erkennt ihr denn nicht, wie sehr uns solche Gesamtorganisation not tut?! Politische Selbständigkeit ist heute in Ferne ge-