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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1920-01-01 · 5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920) · p. Seite 61

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920-1920)
Issue
5. Jahrgang 5681 = 1920/21 (1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 61 (sequence 62)
Language
German
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61 ins Innerste greifen, welche uns erschauern machen, ob der Unermesslichkeit des Unglücks. — Das muss gleich gesagt werden: Wir Juden im Westen Europas und in den fernen Kontinenten haben bei all unserer vermeintlichen Kenntnis der Verhältnisse keine Ahnung gehabt, dass ganze Millionen unserer Brüder gemartert, gefoltert, gemordet, so elendiglich dem Verderben preisgegeben sind! Vor unseren starrenden Augen öffnen sich Probleme von so erdrückender Schwere, von so gigantischer Grösse, dass der ganze Optimismus, der heroische Wille zum Leben in unserem Volke dazu gehört, um ihnen nicht zu erliegen und deren Lösung auch nur anzustreben. — Die folgenden Notizen werden darüber keinen Zweifel lassen. In Soviet-Russland, berichtet Dr. Sliosberg, leben etwa 3 Millionen Juden. Alle leiden, alle hungern. Vom Zarenregiment während des Krieges von den westlichen Grenzländern aus Misstrauen verschleppt und entwurzelt, von wilden Horden misshandelt, sind Zehntausende von Familien brot- und existenzlos. Von 600,000 jüdischen Soldaten sind 150,000 gefallen oder verkrüppelt; 160,000 Soldatenwitwen und 150,000 Waisen sind auf öffentliche Hilfe angewiesen. Das sind die Kriegsopfer. Nun die Revolutionsopfer: durch das Sovietregiment, das jeden Erwerb, ausser der Landwirtschaft sozialisiert hat, sind Hunderttausende, die sich vom Kleinhandel ernährt hatten,, existenzlos geworden. In den Städten ist jede selbständige, ökonomische Stellung der Juden vernichtet. Dem physischen Elend entspricht das geistige. Schulen existieren nicht und Religionsunterricht ist verboten. So schrecklich die Zustände (auch die sanitären) heute sind, so eröffnen sich infolge der Freizügigkeit, die den Juden auch bei einer möglichen Reaktion wohl

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