Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 255)
- Language
- German
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245 sie wandten sich nach Saloniki, woselbst Don Antonio del Banco seinem ihm liebgewordenen Freunde Perez Morteira seine Tochter Speranza zur Gattin gab. Perez fügte seinem Namen den seines Schwiegervaters bei; das_ Geschlecht der Morteira del Banco blüht noch heute in Saloniki. Immer noch wird in diesen Familien am Pessachfeste von jener Sedernacht zu Madrid erzählt. Dann wird auch des edlen Diego del Medigo gedacht, der als Oberrichter des Inquisitionstribunals noch vielen verfolgten Marannen das Leben rettete, bis er selbst seinen Vorgesetzten verdächtig und von seinem Amte entfernt wurde. Er wurde zur Strafe in ein Kloster gesperrt, wusste aber die Flucht zu ergreifen und begab sich nach dem heiligen Lande. Die Inquisition wütete in Spanien bis zum Jahre 1808, in welchem Jahre sie König Joseph Bonaparte durch Dekret vom 4. Dezember aufhob. König Ferdinand VII., der Vater der verjagten Isabella II., versuchte zwar wiederholt, sie wiederherzustellen; sie fand jedoch in der neuen Zeit keinen Boden mehr. Allein in den ersten Jahren ihres Bestehens hat die Inquisition 13,000 Menschen verbrennen lassen, von denen die meisten Marannen waren; während ihrer ganzen mehr als 300jährigen Existenz hat sie ungefähr 350,000 Opfer gefordert. Sie ist Gott sei Dank tot und begraben für immer. Aber Juden und Judentum leben noch, und hoffentlich werden bald wieder die Sedernächte in Madrid nicht mit Bangen und Zagen, sondern in Freude und Jubel — nicht in Kellern und unterirdischen Gewölben, sondern in unverschlossenen Wohnungen gefeiert werden. Dr. M. Lehmann s. A.