Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 21)
- Language
- German
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21 das eine neue Weltordnung herbeiführen will. Durch die gewaltigen Stürme der Gegenwart rauscht der Flügelschlag einer neuen Zeit. Den erhabensten Ideen ist zumeist die Kraft versagt, sich sofort auf ihnen adäquatem Wege durchzusetzen. Aber wenn die Vernunft wieder zu sprechen beginnt, dann mag auch die Hoffnung wieder erblühen, die Hoffnung, dass nicht mit Macht und Gewalt, sondern nur auf dem friedlichen Wege einer steten geistigen Entwicklung die gewaltigen Ideen einer neuen Weltordnung, welche unsere Zeit erfüllen, sich zur Tat aus wirken werden. Wirr und widerspruchsvoll ist auch die Lage des jüdischen Volkes, welches zerstreut unter den Völkern der Erde lebt. Das vergangene Jahr war eines der schwärzesten in der an Trauerjahren so reichen Geschichte des Wandervolkes, und gleichzeitig hat es das jüdische Volk in seinem Kampfe um seine Freiheit und um seine Heimat einer glücklichen Entscheidung nähergeführt. So schreitet das jüdische Volk, blutgetränkt, durch die Pforten des neuen Jahres, welche es aus tiefster Seele als Pforten der Hoffnung begrüsst. * * * Grenzenlos war das Leid, das der Weltkrieg über die Juden gebracht hat. Auf allen Fronten mussten sie kämpfen, Bruder gegen Bruder. In den jüdischen Zentren des Ostens wie im heiligen Lande mussten sie Verschleppungen und Verjagungen und die Zerstörung der alten jüdischen Kulturstätten über sich ergeherr lassen. Doch auch dann, als die Waffen bereits ruhten, nahm das LInheil kein Ende. Nach dem bekannten, oft bestätigten Worte, mussten die Juden auch dann noch bluten, während die andern bereits sich am Friedensmale gütlich taten. Seitdem die Nachricht von dem grauenvollen Judengemetzel, welches die Juden von Lemberg am 22. No-