Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 200)
- Language
- German
- Belongs to
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199 Ich aber sage dir also, mein Sohn, und du sollst es deinen Freunden künden : Die Liebe ist kein Spiel, dass ihr euch an ihr vergnüget — es blicken sich die Leute nach euch um auf der Gasse und spotten eurer. Die Liebe ist ein Kind der Ewigkeit und sie gehöret der Eivigkeit und wer sich vermisst, sie loszureissen von der Ewigkeit, der hält Asche in seiner Hand, die ihm ein Windhauch zerstiebt. Wollet ihr der Liebe einen Tempel bauen, dann sammelt euch die Steine zum Mauerwerk mit euern Händen und mit eurem Geiste, aber vorher sollt ihr sie nicht umarmen. Führet sie nicht in ein Prunkgemach, das in Nebel zerfliesst, und lasset sie nicht auf der Gasse stehen: — Ihr fandet euch selber armselig und nackt. Und verwechselt die Liebe nicht mit der Gier: — Ihr wühlet im Unrat und wähnt euch in einem Heiligtum. So belügt ihr eucli selbst. Und wenn noch so süss die Lüge ist und noch so lockend, — sie bleibt eine Lüge, die eiureisset und vernichtet. Die Liebe aber bauet auf und adelt. So prüfe dich, mein [Sohn, wenn die Flamme aufloht in dir, und frage dich ehrlich, ob sie der Ewigkeit gehöret oder der Gier. Ich aber sage dir, dass sie bis heute noch der Gier gehört, und dass du gegen sie kämpfen sollst, Tag um Tag, bis du Sieger wirst. Dein Sieg wird in deinem Willen liegen. Wenn aber zu heiss wird die Glut, dass sie dich versengen kann und bezwingen, dann denke* an den Yater des Mädchens, das dir nahesteht, und denke an -seine Mutter.