Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 198)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3135693-3135700--0701-3136425- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
197 Meine Kräfte sind lässig geworden und gleichgültig sind mir meine Erfolge. Denn immerdar und immerdar erfüllt mir das Bild meine Seele und zu jeglicher Stunde schreitet es neben mir. Ich fühle, dass ich die Zucht des Vaters verloren habe, dass ich meiner Mutter Lehren vergass. Aber über allem Verlieren ist ein Zauber, der mich umfangen hält, und über allem Vergessen ein Glück, das mich mit Wonne erfüllt. Und ich möchte den Zauber nicht missen und nicht das Glück, wenn auch alles zugrunde geht, was Vater und Mutter mir gegeben haben. Doch über allem Zauber und über allem Glück wohnt eine Sorge, die zu mir kommt in den Ruhestunden und die mich heimlich mahnt an jeglichem Tage.“ Da sprach Akabjah: „Halt’ ein mit deinen Worten, mein Sohn. — Ich kenne deine Not und deine Krankheit.“ Der Jüngling aber bat: „Höre meine Sorge, Akabjah; denn sie hat mich zu dir getrieben.“ Da neigte Akabjah sein Haupt und lauschte den Worten des Jünglings. Der aber sprach: „Ein Tröpflein Wassers ist in mir gewesen und ich spiegelte mich eitel in seinem Glanz. Und eine Sturmüiit ist es geworden, die mich bedroht und alle meine Erfolge und meine Hoffnungen. Ein Eünklein Feuers, mit dem ich gespielt, und $ jetzt ist es eine Lohe geworden, die zusammenschlägt über all’ meinem Wollen. An jeglichem Tage errichte ich einen Wall mit bewusster Tat und die Sturmflut lässt ihn zerfallen an jeglichem Tage.