Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 172)
- Language
- German
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171 der Käder im Schnee, aber die Glöcklein der Pferde vernahm man deutlich klingen..Die Baronin trat ans Fenster. „Wir bekommen Besuch!“ sprach sie. „Wer kann das sein in später Nacht?“ fragte der Freiherr. Nicht lange darauf meldete ein. Bedienter den Kaufmann Ahron Nauheim aus Gundersbach, der den Herrn üaron zu sprechen wünsche. „Lass ihn nur herein treten!“ sprach dieser. Ahron trat ein, ein Säckchen in der Hand haltend. „Willkommen, Nauheim!“ rief ihm der Freiherr entgegen. „Was führt Sie noch so spät zu uns bei so kaltem schlechtem Wetter? Setzen Sie sich und trinken Sie vor allem eine Tasse heissen Tee; Sie sind ja ganz erstarrt!“ Als Ahron, der in der Tat ganz starr vor Kälte war, sich gesetzt hatte, beeilte sich Baronesse Klara, ihm eine Tasse Tee zu reichen. „Giesse keine Milch hinzu, meine Tochter,“ sagte der Baron, „ Ahron trinkt bei uns keine Milch. Auch keinen Kotwein,“ fuhr er fort, als er sah, dass seine Tochter die Weinflasche ergriff; „ich kenne ein wenig die jüdischen Sitten. Aber einige Tropfen Rum darfst Du schon hineinmischen.“ c „Dürft Ihr wirklich keinen Wein und keine Milch trinken?“ fragte der Graf. „Das habe ich noch nicht gehört. “ „Wohl dürfen wir“, entgegnete Ahron, „Wein und Milch gemessen; allein . . . . “ er unterbrach sich und schwieg verlegen. „Wir erörtern das ein anderes Mal,“ nahm der Freiherr das Wort. „Sie könnten uns jetzt über andere Dinge Auskunft geben, Nauheim. Mein Freund, der Herr 'Graf von Laubach, behauptete soeben, der Talmud ge-