Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 123)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Leidenden zu bekämpfen, sondern auch vom Standpunkte höherer Volksinteressen. Während früher der grösste Teil der Lungenkranken dem sichern Tode verfallen war, hat es die medizinischwissenschaftliche Erkenntnis so weit gebracht, dass ein überwiegender Teil der Lungenkranken bei einer rationellen Behandlung geheilt werden kann. Als eines der Hauptheilmittel gilt der Aufenthalt an einem Luftkurort. Und einer der erfolgreichsten Kurorte ist bekanntlich Davos. Wir sehen auch, dass seit Jahren nicht nur aus der Schweiz, sondern, auch aus allen Ländern der Welt Lungenkranke dorthin strömen, um Heilung zu suchen. Unter diesen befindet sich eine grosse Zahl Juden, und wir haben die betrübende Tatsache erlebt, dass diese Leute verurteilt sind, imrituelle Kost zu geniessen. Diese Kranken, bei denen es um Erhaltung des Lebens geht und die sich nicht anders helfen können, sind entschuldigt, aber nicht entschuldigt sind wiry und dies sollte ganz besonders den gesetzestreuen Kreisen zu denken geben. Denn כל ישראל ערבים זה בזה jeder Jude hat die Pflicht, sich seiner leidenden Brüder auch in dieser Beziehung anzunehmen und ihnen die Seelenpein zu ersparen, die sie bei gezwungenem Nichteinhalten der rituellen Speisegesetze empfinden. Das konnte ich letzthin bei meinem Besuche in Davos wahrnehmen. Da befinden sich unter den Lungenkranken auch יראים ושלמים und da habe ich es als eine Tragik und gleichzeitig als eine Schmach empfunden, wenn diese Leute mir direkt sagten, der Heilungsprozess würde ganz anders fortschreiten, wenn sie nicht so viel unter der moralischen Not des Nichtkoscheressens leiden würden. Das ist auch in der Natur der Sache begründet. Denn der Kranke ist empfindlich und jede Misstimmung ist für seine physische Gesundheit von Nachteil.