Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 136)
- Language
- German
- Belongs to
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135 täten zu sein, sie gingen unter in ihrer Umgebung. Kurz, auch hier hatte der Schmied seinen Hammer geschwungen. Woher kam all der Jammer, all die Not? Es hielt nicht schwer, die Ursache zu ergründen. Hier, wo einst jüdisches Wissen mit unendlicher Liebe gepflegt ward, wuchs die Jugend von heute in schauderhafter Unwissenheit und Unbildung auf, fremd all dem Edlen, all dem Hohen, an dem ihre Väter sich emporgerankt hatten. Ein schwerer Schmerz begann mich zu quälen und ich wälzte Gedanken hin und her* „Dürfen wir dem Sterben unserer Volksgenossen zuschauen, ohne es aufzuhalten?“ fragte ich mich. „Ist es nicht unsere heiligste Pflicht, zu retten, was noch nicht untergegangen ist? Sind wir nicht mitschuldig an dem Untergange, wenn wir ihn sehen und nicht handeln?“ „Wir wollen die, die sich von uns abzusplittern drohen, wieder an uns heranziehen. Wir wollen ein Bindemittel schaffen, durch das sie, die ein doppeltes und dreifaches Golus ertragen, so schlimm, dass sie es gar nicht mehr fühlen, wieder fest an uns gekittet werden, wir wollen ihnen einen Weg zeigen, der sie aus ihrer äusseren und inneren Einsamkeit befreit und sie sich wieder als Glieder des Ganzen fühlen lässt. Unsere Zukunft liegt in der Jugend. So lasst uns die Jugend erobern. Wodurch? Durch Wissen; denn wo kein Wissen, da auch keine Ueberzeugung; und wo keine Ueberzeugung, da keine Persönlichkeit. Und wo keine Gemeinsamkeit der Ueberzeugung, da auch kein inniges Zusammenleben!“ Wir schickten ihnen Männer hinaus — man hiess sie Wanderlehrer — Männer, wohl gerüstet mit der Gabe des Geistes und des Mundes; und überall da, wo die Lehre nicht mehr vernommen ward, sollte ihr wieder eine Stätte geschaffen werden, damit aus dem