Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 113)
- Language
- German
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112 Zentralvereins darf das schöne Wort aus Hirschs Chorew vor Augen schweben: „Auch nur einen Tropfen in die Lampe des Heiligtums gespendet, wer fühlte sich dadurch nicht überreich belohnt!“ Kleine Urkunden aus dem schweizerisch-] üdisehen Gemeindeleben. I. Ein Friedensgebet. Schon vor Jahrtausenden lautete das Losungswort der jüd. Gelehrten: „Bete für die Wohlfahrt der Regierung, denn, herrschte nicht Furcht vor ihr, einer würde den andern lebendig verschlingen.“ Und wenn am Völkerhorizonte drohende Wolken sichtbar werden, Israel eilt ins Gotteshaus und betet für das Gedeihen des Vaterlandes. Einen schönen Beweis dieser liebevollen Anhänglichkeit an Land und Volk, und zugleich allgemeiner Menschenliebe bildet die in folgendem mitgeteilte Urkunde, die uns einen Abschnitt nicht minder schrecklichen Geschehens widerspiegelt, wie es der europäische Krieg ist. Geschrieben ist die Urkunde im Jahre 5554 (1794), also in jenem Jahre, wo ganz Europa unter dem Einfluss der französischen Revolution mächtig erzitterte. Auch gegen das Schweizerland schlugen die züngelnden Flammen. Die Synagogen in Endingen und Lengnau, die einst blühenden Schweiz, jüd. Stammgemeinden, waren voll von andächtigen Betern, welche die Abwendung traurigen Vaterlands-Geschickes von Gott erflehten. In der Mitte der Betenden aber stand Refoel ben Abraham Ries sei., der hervorragende Rabbiner