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Israelitische Annalen · 1841-11-12 · Heft 46 (12.11.1841) · p. Seite 366

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 46 (12.11.1841)
Date
1841-11-12
Page
Seite 366 (sequence 6)
Language
German
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366 Einige Worte, betreffend die neue Ausgabe der sämmtlichen Schriften Moses Mendelssohns. (Eingesandt.) Eine neue Ausgabe der Schriften Moses Mendelssohn's wird angekündigt. Mit achter Pietät bieten die Nachkommen des großen Mannes alle Kräfte auf, demselben ein würdiges Denkmal zu stiften; darum soll die Ausgabe vor Allem eine vollständige sein, wir sollen ein vollständiges Bild des Mannes erhalten, den wir, seine Glaubensgenossen, noch immer nicht genug im Herzen tragen. Indessen vermag Einsender dieser Zeilen einige Bedenken nicht zu unterdrücken, welche, von den Herausgebern nicht berücksichtigt, der Subscription ohne Zweifel hemmend entgegen treten würden. Zuerst ist ein Irrthum des Verlegers zu rügen, welcher mit Bestimmtheit behauptet, noch nie sei die Mendelssohn'sche Uebersetzung des Pentateuch mit deutschen Lettern gedruckt; während es doch bekannt ist, daß seit 1780, aus welchem Jahre wir eine in deutscher Schrift gedruckte Ausgabe des 1. B. M. (Berlin und Stettin) vor Augen haben, öfter mit geringen Veränderungen dergleichen Abdrücke veranstaltet sind. Aber bei aller Pietät gegen die Manen M.'s läßt sich's nicht ferner leugnen, daß dessen Uebersetzung für uns größtentheils nur noch einen rein literar- und cultur-historischen Werth hat, und, wenn auch in dieser Beziehung sehr hoch zu schätzen, doch weder von Gelehrten stark benutzt noch überhaupt Lehrern und Schü- \ lern empfohlen werden dürfte, da man seit M. in Sprachkunde, Kritik und Kenntniß des Alterthums so unendlich! weit vorgerückt ist. Außerdem besitzt fast jede Familie einen! hebr. Pentateuch mit beigedruckter Mendelssohn'schen Uebersetzung oft in mehreren Eremplaren, und wir werden ganz unwillkührlich auf die Frage geführt: Zlt welchem Zwecke ziehen die Herausgeber diese Version mit in ihren Kreis? Einsender glaubt im Sinn seiner Glaubensgenossen, besonders der so oft dürftig salarirten Lehrer zu sprechen, ' wenn er den Wunsch äußert, daß sämmtliche Ucbersctzungen biblischer Bücher entweder in der neuen Ausgabe wegfallen, oder wenigstens nur als Anhang gedruckt werden möchten, damit Niemand gezwungen ist, dieselben mitzukaufen, und durch die Verminderung der Druckkosten auch der Subscrip. tionspreis der Werke ansehnlich vermindert werden könnte. Nachrichten und Correfpondenzen. Aus Rußland. — Es ist erfreulich, welch ein Leben sich kund giedt, seitdem unsre hohe Regierung auch die Verbesserung der Zustände der Hebräer ernstlich in's Auge faßt. Es war ein trefflicher Gedanke, zur bessern Erreichung dieses Zweckes, aller Orlen, wo Israeliten wohnen, Comiteen zu errichten, welche alles, was zum Statistischen gehört, aufzunehmen, zugleich aber sich nach dem Bildungszustande der Rabbiner und Lehrer, nach den Gebeten und Riten der verschiedenen Seelen, und was dahin gehört, sich umzusehen hätten, namentlich auch wahrzunehmen, wie viele anderweitig gebildete Hebräer sich finden, und welchen Beistand man von diesen bei Verbesserungen zu erwarten haben dürfte. In letzterer Beziehung sind sicherlich die Erwartungen wenigstens an einigen Orten übertroffen worden; denn die Meisten, welche sich zeitgemäße Kenntnisse erworben haben und bildende Schriften lesen, waren und sind noch immer genöthigt, sich zu verstecken, um nicht von den Fanatikern verketzert zu werden. Bei dieser Gelegenheit jedoch überwiegt der Wunsch, Gutes zu stiften, alle solche Bedenklichkeiten, und es sind bereits an vielen Orten, besonders aber in Willna, Männer von klaren Ansichten und edeln Bestrebungen aufgetreten, um genannten Comiteen in die Hand zu arbeiten, und diese werden dadurch um so eher überzeugt, daß die Absichten hoher Regierung in der That erreichbar sind, und der Boden nicht so dürr sei, als es im ersten Augenblick erschien. Was bisher im Laufe dieses Jahres geschehen ist, stellen wir hier zusammen. Kaum war die Absicht hoher Regierung kund geworden, als alle tüchtigen Männer in Willna sich versammelten, um zu berathen, welche geeigneten Vorschläge man einreichen könne, um innere Verbesserungen aufs Schleunigste zu erzielen, auch zugleich, wie man dem Einflüsse einer widerstrebenden Parthei, deren Rabbinen sich mit den Obskuranten ebenfalls versammelten, um alle Veränderungspläne zu vereiteln, entgegenwirken könne. Die letztere verstärkte sich von außerhalb und suchte sogar von den Gebilbctern manche an sich zu ziehen, jedenfalls aber dieselben alle einzuschüchtern. Allein diejenigen, welche dio Feder zu führen wissen, traten frei hervor, insbesondere Kl atz ko und Rosenthal, und der durch zahlreiche Schriften bereits rühmlichst bekannte W. Tugendbold, welcher ein dreitbeiliges Gutachten ausarbeitete, 1) über die gegenwärtige Beschaffenheit der Russischen Juden; 2) Schilderung des Rabbinats, wie es sein sollte und könnte; 3) Vorschläge zur Verbesserung des Iugenduntcrrichts. — Auch erließen die Gelehrten ein Rundschreiben nach allen Richtungen, um Sachkenner jeder Art zu veranlassen, ihre Ansichten auf russisch, deutsch oder hebräisch, bei dem Comite einzureichen, damit aus den verschiedenen Darlegungen bessere Ergebnisse entwickelt werden können. Unter den eingegangencn Begutachtungen zeichnete sich die Antwort eines in Brisk (Lithauen) versammelten Comite's ans. Auch aus Odessa lief eine treffliche Denkschrift ein. Viele setzten sich in direkte Verbindung mit Herrn vr. Lilienthal in Riga, dessen Eifer und Thätigkeit in Beförderung aller guten Bestrebungen nicht genug gerühmt werden kann, und welchem es durch richtigen Takt, wie durch ernste Leistungen gelungen ist, viele Feinde der guten Sache mit dieser auszusöhnen, so wie seine öffentlichen Vorträge tiefen Eindruck machen, und die Moralität seiner Gemeinde erheben. Manches davon verdient eine größere Oeffentlichkeit. — Während nun diese Saaten keimen, fangen schon einige Orte an, Früchte einzusammeln. Was bisher für eine Unmöglichkeit gehalten wurde, die Errichtung einer guten

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