Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 44 (29.10.1841)
- Date
- 1841-10-29
- Page
- Seite 348 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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348 digt zugeschickte Summe von 50 Frs. für die Wohlthätigkeitskasse eingezogen und alle Reclamationen des Gebers unbcachrei gelassen zu haben. 3) Mehrere öffentliche Reden gehalten zu haben, welche das Gewissen der Leute beeinträchtigen. 4) Fälschliche Annahme des Titels eines Präsidenten. Aus allen diesen (allerdings nicht sehr crheblij chen, und die Moralität — außer Nr. 1 , welches j wohl besondere Gründe hatte, — gewiß nicht in j Schatten stellenden Beschwerden) wird aber großes > Gewicht darauf gelegt, daß H. d. R. ein Holj lander (er ist nämlich nicht naturalisirr) ist, und als j solcher ohnehin sich nicht eigne, in einer französi- I scheu Gemeinde den Vorsitz zu führen. j Der Rhone-Präfcct, Mr. Jayr, beförderte die jj Petition an das Consistorium zu Marseille. Das j Consistorium erhielt aber auch abseitcn der Lyoner! Commission eine Rechtfertigung des H. d. R., und jj antwortete endlich zu Gunsten des Angeklagten, inj dem es sich mit den gegebenen Aufschlüssen zufrieden erklärt, und trotz der Einreden so vieler Mitglieder und der Abdankung einiger aus der Commission, doch für gut finde, H. d. R. in seinem Amte j zu. belassen, weil man die Ueberzeugung gewonnen )' habe, daß der Widerspruch nur von solchen ausjj gehe, welche der bessern Entwickelung der Gemeinde jj Hindernisse zu bereiten suchen u. s. w.? Da also die Schritte nicht zum Zweck geführt ij haben, so wenden sich die Unzufriedenen an die j Presse. Unterm löten September ist eine kleine j Schrift, betitelt: Coup d'oeil sur ^Administration de M. Heyman. Connnissaire surveillanl de la Communaute Israelite de Lyon (delegue du conj sistoire de Marseille), erschienen, welche über den; wesentlichen Inhalt sich verbreitet, und noch schär- | fer das Consistorium selbst anklagt, daß cs nämlich? die Lyoner Gemeinde sclavisch behandele und einem j Holländer anheim gebe, welcher ohnehin für die Rcligionsangelegcnheiten gar keinen Sinn habe; dessen Willkühr cs gelungen sei, einen früher» Collegen, ebenfalls.Ausländer, der jedoch solch eigenmächtiges Verfahren nicht gut hieß, zur Abdankung zu nöthigen; und welcher endlich sich mit einer ihm gleichgesinnten Commission umgeben habe. Es werden nun hier die allzu freie Verwendung der Gemeindegelder und die der Religion anstößigen, im Tempel und bei Schul-Revisionen geäußerten Meinungen wiederholt und belegt. Besonders wird hervorgehoben, daß die von der Gemeinde stets mit Rührung und tiefer Wirkung angehörten Predigten des Candidaten Chareville, dem Herr H. d. R. so sehr mißfielen, daß er sogar dessen Entfernung beantragen wollte (oder bereits beantragt habe.) Man sicht aus diesen Verhandlungen, daß H. d. R. ein Mann von entschiedenem Charakter ist, welcher den neuern Systemen zugethan die Civilisation zu beförden sucht, daß er aber, wie dies sehr häufig vorkommt, wo sich die freier Denkenden nicht ganz in die Verhältnisse finden und alles mit einem Male nach ihrer vorgefaßten Idee schonungslos umschaffen mögen, in der That zu weit cingrcift, und dadurch weniger Gutes stiftet, als bei einiger Mäßigung geschehen könnte. Diese Erfahrung bewährt sich überall, und um so mehr sollte sic allen denen, welche für das Allgemeine wirken wollen, zur Lehre dienen. Die Moses Mendelssohn'sche Waisen- Crziehungs-Anstalt in Berlin. Vielen unserer Leser dürfte es unbekannt sein, daß dem Weisen, dessen Einfluß auf die Bildung aller Israeliten, nicht bloß deutscher Zunge, sondern mittelbar auch aller andern, einen stets wachsenden Erfolg hatte und noch immer fort haben wird, ein würdiges Denkmal gesetzt worden, welches nicht nur seinen Namen, sondern auch sein cdeles Wirken, hoffentlich auch in stets steigendem Verhältniß, vergegenwärtigt, und welch eines schönen Gedeihens sich dieses Denkmal zu erfreuen hat. Ein einfacher, schon im Februar dieses Jahres über den Fortgang der Stiftung, Die obigen Namen trägt, erschienener Bericht giebt diese angenehme Auskunft, und berechtigt zu glänzenden Hoffnungen, besonders wenn man weiß, aus welchem kleinen Anfänge sich diese Anstalt so schnell zu einer solchen Bedeutung emporschwang. Wieder ein Beweis, daß gute Werke in-unsrer Zeit immer noch Anklang finden. Die erste Idee zu der in Rede stehenden Stiftung gab das im Jahr 1829 in Dessau und Berlin gefeierte hundertjährige Geburtsfest des Philosophen, der hauptsächlich diesen beiden Städten im lebhaftesten Andenken verbleibt, der erstern durch seine Geburt und Kindheit, der andern durch sein Leben und seine Ruhestätte. Allgemein entstand damals der Wunsch, dem Feste durch Errichtung einer derartigen Stiftung eine dauernde Nachwirkung zu verschaffen, und der würdige Sohn des Philosophen gab diesem Gedanken Raum und wirkte mit ihn ins Leben zu rufen. Dennoch schritt man nicht allzuschnell zur Ausführung; es schien, daß der Plan erst besser reifen sollte;