Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 33 (13.8.1841)
- Date
- 1841-08-13
- Page
- Seite 257 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1841 13. August. Nro 33. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegebcn von vr. I. M. Z o st. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rthlr. 3—fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Nachruf an Moses Bloch (Schluß). — Aktenmäßige Darstellung, betreffend die frommen Spenden je. (Fortsetzung.) — Die Stellung rer Frauen .beiden attcn Hebräern, von vr. I. L. Saal schütz. — Nachrichten und Corresvondenzcn: Frankfurt am Main. — Literatur: Leben und Wirken N. H. Wcssely'S. — Anzeigen. Moses Bloch. (Geboren 1805, gest. 13. März 1841.) Nachruf von Leopold Schott, Rabbiner in Randegg. (Schluß.) Baden hatte an Bloch einen tüchtigen Mitarbeiter für die Erweckung eines belebenden Geistes der Synagoge verloren; Würtemberg hat ihn zu benutzen gewußt. Sein liebevolles geselliges Talent, seine Menschenkenntniß und Hingebung, seine bedeutenden, biblischen, thalmudischen, religions-philosophischen und historischen Kenntnisse*), die er fortwährend vervollkommncte, wovon er einige Proben im 4ten Bande der Geiger'schen Zeitschrift niedergclegt hat, gewannen ihm nicht nur die ungcthcilte Liebe und das größte Zutrauen seiner früheren und späteren Gemeinden, sondern erhoben ihn mit Recht auf einstußreiche Höhe in der würtembergischcn Synagoge.' Im Anfang haben zwar die Bestrebungen der dortigen israelitischen Oberkirchenbchörde wie alles Neue, Aufsehen und auch einigen Widerwillen erregt, nach und nach aber überzeugt man stch von dem wohlthätigcn Einflüsse derselben, und auch in Baden sucht man *) Der Selige hinterließ eine sehr werthvolle deutsche, vorzüglich aber hebräische Bibliothek, welche an rabbinischen Schriften, an verschiedenen Bibelausgaben, agadischen, historischen und vhilosophischen Werken manche Seltenheiten enthält. Dieß zur Nachricht für etwaige Kaufliebhaber. davon mehrere einzuführen. *) Die gespenstische Furcht, sie möchten das wahre Judenthum erschüttern, muß der Ueberzeugung weichen, daß sie im Gegentheil eher demselben zur Stütze dienen. Indessen ist mit unserem Freunde Bloch doch eine große Veränderung vorgegangen; er war von seiner früheren Überschätzung ascetischerFrömmigkeit zurückgekommen, und wagte seinen wohlgeübten kritischen Blick an die Erforschung der Motive und Ziele der zeitlichen Entwickelung des Judenthums. Jetzt lebte er auch ganz der Ueberzeugung, daß der Geistliche von seiner Gemeinde nicht nur als nachahmungswürdiges, sondern auch als nachahmbarcs Muster der Tugend und Frömmigkeit erscheinen müsse; nicht aber als ein Popanz, der eine Werkhciligkeit um sich wirft, daß das Volk davon lauft! Bloch hat durch diese Veränderung, bei seinen frühcrn Freunden angestoßen, besonders da die gute Base Fama an zehnfacher Uebmreibung es nicht mangeln ließ. Es that ihm leid, doch erschütterte ihn das nicht. Wahrscheinlich bezieht sich hierauf ein kurzes hebräisches Gedicht, das ich aus der mir von seiner Wittwe zur Einsicht gütigst mitgetheilten handschriftlichen Sammlung hier ausschrcibe: *) Man vergleiche die Correspondenz aus Hildesheim in Nr. 26. der isr. Annalen.