Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 12 (19.3.1841)
- Date
- 1841-03-19
- Page
- Seite 89 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1841 19. März. Nr° IS Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausze geben von vr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rthlr. 3 —fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. Neuere Anregungen, betreffend die Emanzipationsfrage. — Ueber die Resultate deS Herrn Luzzato, von Eichenbaum aus Odessa (Schluß). — Nachrichten und Correspondenzcn: Venedig; Paris (Schluß); Amsterdam (PsalmenauSgabe); Böhmen: Prager Zustände (Schluß); Berlin; Würtemberg; aus ltntcrfranken (NechtSentscheidung). Neuere Anregungen, betreffend die Emanzipationsfrage. Preußen. — Rußland. — Frankreich. Die starken Convulsionen des europäischen socialen Lebens am Ende des vorigen und zu Anfänge unsers Jahrhunderts hatten mannigfache legislative Veränderungen zur Folge, welche die innere Harmonie wieder herzuftellen dienen sollten. Da mußten viele Ursachen der krankhaften Zustände aufgcdeckt und hinweggeschafft werden. So gering auch der Einfluß der in jeder Beziehung als fremd und der Staarsgliederung völlig gleichgültig betrachteten Israeliten erscheinen mußte, so war doch das erwachte Bewußtsein der Völker gerecht genug, um auch in die abgeschiedenen Winkel der Synagoge einzudringen, und zu versuchen, wiefern das geringe Leben, das sie noch zeigte, bei dem allgemeinen Aufschwünge Mitwirken könne und muffe. Schon die bloße Abnormität, daß bei der Umbildung des Gesammtwesens eine einzige Masse in einem Verhältnisse verbleiben sollte, welches für alle Thcile mit einer selbstbewußten Gesittung unverträglich ist, führte darauf hin, die Rechtszuftände der Israeliten in's Auge zu fassen und eine Umgestaltung derselben herbei zu wünschen. Eine Discussion erhob sich darüber unter allen Intelligenten, und die Gesetzgebungen folgten mehr oder minder dem Gange der immer deutlicher hervortretenden Resultate. Auch in die dunkeln Kammern der Judengassen fielen die Lichrftrahlen, und man begann von innen heraus öffentlich an den Wünschen und Berathungen Theil zu nehmen, je nachdem die Lethargie aufhörte, und Sinn für das Staarsleben sich entwickelte. Es konnte nicht fehlen, daß die Israeliten selbst mit klarer Umsicht ihre Stellung betrachteten, und sich darüber auszusprechen strebten, zumal in der langen Dauer eines Friedens, welcher keincsweges in einen Geistesschlummer einwiegte, sondern fortwährend die Thatigkeiren belebte und die Intelligenz und Gesittung in Europa zu einer Höhe entwickelte, wie sie solche nie erreicht hatte. Die Discussionen gewannen sogar immer größere Theilnahme, weil die Liebe zur Herrschaft der Gerechtigkeit und zur Entwaffnung jeder Willkühr und Unbesonnenheit bei Fürsten und Völkern Wurzel gefaßt hat. Sie ward um so lebendiger, als jetzt nicht mehr die bloße Theorie das Wort führte, sondern die Ergebnisse der'bisherigen Praxis aus den verschiedenartigsten Versuchen mit in Betracht gezogen werden konnten. Wenn nun aber der vieljährige Federkrieg bei weitem nicht die Erfolge hatte, die von einer starken Geistesbewegung erwartet werden dürfen, so hat das seinen Grund in vielseitigen Hemmungen, welche derselben oft eine ganz verkehrte Richtung gaben.