Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 6 (5.2.1841)
- Date
- 1841-02-05
- Page
- Seite 41 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1841 5. Februar. N^? 6. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatue und Cultue der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. I 0 st. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rthlr. 3. — fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Verhältnisse in Rußland. — DaS israelitische Schulwesen in der Pfalz, von E. Grünedaum (Schluß.) — Neue Leistungen der kritischen Schule (Forts.) Nachrichten und borrespondenzc»: Prag (Fortsetzung); Stuttgart (Schluß.) — Literatur: Eliah, von I)r. Gotthold Salomon; DamaScia von L. H. Löwenstein. — Anzeige. Verhältnisse in Russland. Bericht aus Wilna, 4. Jan. 1841. Die Freude, mit welcher die Nachricht, daß Seitens des hohen Minifterii der Aufklärung nun auch für die zahlreichen israelitischen Unterthanen durch Gründung zeitgemäßer Bildungsanstalten un^ Anstellung tüchtiger Volkslehrer gesorgt werden solle, alle wahren Menschenfreunde und insbesondere die nach Verbesserung der inner» Verhältnisse sich sehnenden Israeliten erfüllt hat,' wird gegenwärtig noch immer durch die nicht ungegründete Besorgniß getrübt, daß es den Finsterlingen, welche nichts so sehr fürchten als das Licht der Wissenschaft, und deren Zahl und Macht in manchen Gegenden größer ist, als die Beförderer des Guten sich «Überreden möchten, am Ende doch gelingen dürfte, ihre Partheimanner vorzuschieben, und alle überaus humanen Absichten hoher Regierung wieder auf längere Zeit zu vereiteln. Gegen die Machinationen einer fanatischen Secre, welche ihre nicht unbedeutenden Kräfte mit eben so großer Keckheit im Innern wie wirksamer Thätigkeit nach außen in Bewegung setzt, um dort jeden Widerspruch einzuschüchtern und hier einen unbesiegbaren Einfluß zu gewinnen, läßt sich schwer kämpfen; die meisten Waffen, die sie nicht verschmäht, hält der Edle für unwürdig, und ausserdem beherrscht auch die Trägheit von jeher die! große Masse so sehr, daß selbst die bessere Ueberzeugung nur Wünsche, nicht aber Energie erweckt, während diese zum Widerstreben alles bereit findet, da dies nur eine kurze Anstrengung fordert. Die Weisheit hoher Regierung wird dies durchschauen , das leidet keinen Zweifel; aber ob eine fortgesetzte Gegenwirkung und eine falsche Darstellung der Sachlage, ja selbst der scheinbar nach vielen Richtungen hin sich offenbarende Volksgeist nicht zuletzt es dahin bringen können, daß die Schwierigkeiten unüberwindlich erscheinen, das ist eine Frage, die nicht so entschieden erledigt werden kann. Um so mehr dürfte es zweckmäßig sein, öffentlich ein Wort zu reden, damit die Wahrheit, welche in einzelnen Verhandlungen leickr verdunkelt wird, desto ^eher an's Licht trete, und ohne alle gehässige Insinuationen, welche in direktem Kampfe kaum zu vermeiden.find, den Maßstab zu den beabsichtigten Verbesserungen darreiche. Hierbei halten wir uns übrigens lediglich an die Thatsachen. In diesem Augenblicke bieten bie sehr zahlreichen Gemeinden in Reußen (Witepsk, Mohilew) alles auf, um einen der ersten Männer aus der Secte der Chassidim, welche den Namen "nn führt, zum gemeinsamen Oberhaupte zu erlangen. Sie sehen in Mendel Lobowitzer den Inbegriff aller Weisheit, einen Wunderthäter, einen Heiligen, und in diesem Sinne haben alle