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Israelitische Annalen · 1840-02-21 · Heft 8 (21.2.1840) · p. Seite 76

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 8 (21.2.1840)
Date
1840-02-21
Page
Seite 76 (sequence 8)
Language
German
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Meinigen den Vorzug einräumen. Allein zu meinem Erstaunen sehe ich, daß er von den vier ersten Sätzen (116. 117) gar keine Anwendung auf das Tetr., noch auf die Zahl 10 «acht. Wie kann also der Anonymus sich in der ersten und der fünften und letzten Einwendung erdreisten, mich zu fragen: wozu A. E. hier diese Sätze anführe? Erst S. 118 setzt Herr C. eine Anwendung auf das Tetragramma, indem er sagt, A. E. habe den Werth der Zahl 15 oder der Buchstaben;-p zeigen wollen. Aber um dies Ergebniß zu finden, setzt er im Texte des A. E. eine lange Parenthese voraus, welche um so unwahrscheinlicher ist, als zu Anfänge p ^>y steht. Ich dagegen nehme (viel natürlicher) an, daß der beigegebene Lehrsatz nur als Beispiel dienen solle, wie eine andere Zahl den dargethanen Werth der 16 nicht habe. In der 4ten Einwendung klagt der Anonymus darüber, daß ich den Lehrsatz des A. E., betreffend die 72 nicht erläutere. Ich habe diesen nicht beachtet, weil ich sah, daß A. E. hier nickt mathematisch verfährt, sondern eine bekannte kabbalistische Rechnung macht. Herr E. hat aber zwischen diesem und den mathematischen Rechnungen eine Uedereinstimmung herausgebracht, und zwar so: 16. Länge des Diameters eines gegebenen Kreises. 31. Dessen Peripherie. 31. Flächenraum eines Triangels oder eines in den- _selben Kreis eingezeichneten Rektangels. Summa 72. Ich gestehe, dieses Mysterium ist mir nicht eingefallen. Wie aber? Gesetzt es wäre mir eingefallenso hätte eS sich doch nicht behaupten können; denn die Peripherie und die Fläche betragen nicht 31., sondern 31,4269, welcher Bruch doppelt genommen fast 1 giebt, so daß man eine neue kabbalistische Rechnung finden müßte, wonach das Tetragramm 72,85 betrüge. — Auf diese Träumerei hin wagt nun ein Anonymus im Jahr 1839 eine), Namen, welcher schon 15 Jahre vortheilhaft bekannt ist, herabzusetzen, und solcher Anonymus konnte in einer gelehrten (Aumiuato) Zeitschrift Glauben finden! Ich habe aber noch eine Seite, auf welcher des Herrn E. Interpretation die «einige übertrifft, nicht erwähnt. Ich habe gesagt, daß ein gewisser Ausdruck des A. E. nicht ganz genau sei. Herr E. dagegen lehrt, daß in A. E.'s Styl der Ausdruck Verhältniß (rapporto -py) nur gilt von dem Verhältniß einer kleinern Zahl zu 'einer größern. Also ist nach A. E. nur ein Verhältniß zwischen 1 und 16, nicht aber zwischen 16 u. 1. Ein anderes Mysterium, das ich nicht verstehe. Ich bin freilich kein großer Verehrer des A. E., aber wenn ich mir auch einen solchen Styl hatte denken können, so hätte ich ihn doch gewiß nicht einem so gründlichen Mathematiker angedichtet._ Moses ben Esra aus Granada. (Schluß.) Es ist nun freilich nicht zu leugnen, daß die maurischjüdische Poesie'— etwa die religiöse ausgenommen — eines eigenthümlichen Elementes entbehrt, das aus frischer Lebensquelle hervorsprudelnd, ganz aus sich selbst erzeugend, neue nicht gekannte Blüthen hervortreiht. Einestheils rankt diese Poesie stets in den alten Boden der Vorzeit hinein, andererseits strebt sie nach dem Tageslichte der Gegenwart. Aber eben dies ist ihre Charakteristik; diese Mischung des ihr befreundeten, im tiefsten Herzen begründeten Alten, mit dem ihr aufgedrungenen Fremden und Neuen, dem sie, da das Leben seine Rechte fordert, nicht entgehen kann, daher sie sich ihm liebend anschmiegt. So ist ihr innerstes Wesen treu der Väter Weise, aber ihre äußere Form und Gestalt sucht mit der Weltumgebung, wo nicht in Harmonie, doch nicht in abstoßender Ungleichheit sich zu bewegen. Auf diese Weise bildet diese Poesie einen Uebergang von der arabischen zur spanischen Poesie, und wohl mit Recht wird sie daher auch die spanisch-arabische genannt. So ist diese hebräische Dichterperiode für die allgemeine Literargeschichte von bedeutungsvoller Wichtigkeit, und es bleibt nur zu wünschen übrig, daß ihre sämmtlichen Denkmale, und nicht blos in Fragmenten, sondern vollständig bekannt gemacht werden könnten. Doch dieses ist wohl einer spätern Zeit Vorbehalten, und unsere jetzige ist, wie in so vieler Hinsicht, nur als eine anregende zu betrachten; jedoch bleibt dieses Verdienst gewiß schätzenswerth gegen die frühere gänzliche Vernachlässigung. Was die Uebersetzung des Herrn Dukes insbesondere betrifft, so sieht man schon aus den hier mitgetheilten Proben, daß der Verfasser wesentlich nach wörtlicher Treue strebte; daher die Zierlichkeit und Gewandtheit der Form weniger beobachtet, werben konnte. So sehr wir dieses lo-. benswerth finden, so wünschen wir doch, daß Herr Dukes mehr in Geist und Form eindringen, und so, wenn auch in freierer Uebertragung, diese orientalische Blume in vollem Glanz und Duft auf deutschen Boden verpsianzen könnte. Nur noch einzelne Bemerkungen, theils berichtigend, theils ergänzend. S. 1. Anm. hat der Vers, nach gewöhnlicher Annahme hingestellt, daß R. Joseph Megas der Lehrer von Maimonides gewesen; dem ist nicht so; dieser war vielmehr (s. Comm. Mischnah Schebuot 6, 7. der Lehrer s. Vaters Maimon gewesen. (Verql. Dernburg in Geiger's Zeitsch. Bd. 1. S. 116). — Die Verweisung auf Hap. (das. A.** Ende) sagt nichts, hier war es an seinem Orte, Heidenkeim's irrige Vermuthung zu berichtigen. — S. 2, Z. 4 ist die Jahreszahl 1138 (statt 1137) zu setzen. (S. Kerem Chemed 4. S. 89); übrigens fehlt die Belegstelle. So ist auch S. 16 N. 124 zu verbessern. — Die Sterbezeit des P (ib. N. 189) war nicht 1114, sondern 1113 (K. Ch. IV. S. 93). — Eben so irrig ist „Ehrensäulen" (S. 16 A. **) und S. 20. N. 26) nach Heidenheim das . Jahr 1675 für die Abfassungszeit des bekannten )£D ilpmjty angesetzt. Es kommt aber offenbar bas Jahr 461 d. H. mit 1669 ober 1676 überein (vergl. auch Jost Gesch d.Jsr. Bd. 9, Anh. S. 111). - S. 5** ist dahin zu berichtigen, daß nickt die Piutim, sondern der Commentar zu denselben, von Asriel b. Mose Meise! aus Wien, den Titel □tpinn n:nj/ führt. — Zu S. 8. A. (so wie zu „Ehrensäulen" S.19. N.H bemerken wir, daß das Stück anfangend -»niO« qv» mDTK von dem Redakteur des Np mj?E) (zu Par. Schoftim) ebenfalls dem Gabirol zugeschrieben wird. — Jb. A. * Ende ist das Citat ,. S. 19" zu verbessern in „S. 26, N. 19." 'p. S. 16. Lit. B. Zeile 13 steht: „Dgl. darüber," muß heißen: „Vergl. über den romanischen Sibdur." — Zu den Schriften, die den Titel Heanak führen (S. 19), ist noch einviertes hinzuzuzählen von Isaak Onkenira (s. Delitzsch, Schilderungen und Kritiken S- 158. A. XXX.) — Den bekannten Spruch “V'Wn DHSO giebt der Verf. S- 22 wieder durch: „Das Beste des Gedichtes ist die Lüge;" wird der gewöhnliche Leser sobald auf den gemeinten Sinn kommen?! Diese Phrase dürfte so übersetzt werden: „Das Kunstvollste am Gedickte ist die Erdichtung." — Das bekannte Histörchen über Jehuda Ha-Levi's trauriges Sterbe-Sckicksal, wird vom Df. (S. 36)—und Luzzato id. S. 95 —schlechthin für baare Geschichte ausgegeben. Jndeß ruft folgende Notiz eine Bedenklichkeit gegen die Wahrheit derselben hervor. Sal. b. Abraham Perachon, ein Zeitgenosse desselben, berichtet von ihm in seinem Wörterbuch« Mscr. (laut Heidenheim's Anführung daraus in □•'syErvEEWs cf. 43. „.) -Hw imo 'lieb nawn swv« D^nyb Schwer möchte man demnach, wenn Referent richtig ^combinirt, der fraglichen Erzählung Glauben beimessen können. — S. 31 ist ein sinnentstellender Fehler: „Immanuel, den derselbe als Muster nahm;" es muß stehn: „der denselben." Die Gränzen dieser Blätter gestatten es nicht, diesem Aufsatz eine größere Ausdehnung zu geben; Referent läßt daher hier noch manches andere unberührt. Gewiß wird mancher Freund der Wissenschaft durch das angezeigte Büchlein, gering an Bogenzahl, doch reich an Inhalt, sich zu eigener Forschung veranlaßt finden und gern andern Schriften des talent- und geistvollen Verfassers entgegensehen. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.

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