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Israelitische Annalen · 1839-06-14 · Heft 24 (14.6.1839) · p. Seite 192

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 24 (14.6.1839)
Date
1839-06-14
Page
Seite 192 (sequence 8)
Language
German
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192 projectirten Reformen im Gemeindewesen bis auf jenen ersehnten Zeitpunkt. Allein — das ersiehete Gesetz erschien nicht; bloS der Leibzoll war aufgehoben worden, darauf beschränkte sich alle Erleichterung! — Inzwischen lichteten sich die Dorurtheile der jüdischen Glaubensgenossen immer mehr, man empfand das Bedürfnis eines verbesserten Schulunterrichts und viele Eltern ließen ihre Kinder christliche Schulen besuchen, ohne den Religionsunterricht im Hause zu vernachlässigen. Mehrere Eltern wünschten ihre Söhne bei Handwerksmeistern in die Lehre zu geben. Ein H. Rescript vom Jahre 1818 gestattete zwar Letzteres; es ward aber auf Betrieb der Innungen bald wieder suspendirt, so daß bas Erlernen von Handwerken bei christlichen Meistern in der Stille geschehen mußte. Die immer fortschreitende Cultur und die stets mehr sich verbreitende Ueberzeugung, daß der Israelit seiner Bestimmung als Mensch und Israelit nur dann genüge, wenn er als nützlicher Bürger des Staats zu wirken sich bestrebt, veranlaßten allerlei Verbesserungen durch einzelne in der Gemeinde bestehende Vereine, bis endlich am 10. September 1820 — dem hundertjährigen Geburtstage Moses Mendelssohn's—der bekannte Mendelssohn- Verein zu Dresden in's Leben trat. Die Wirksamkeit dieses Vereins hat sich seitdem nicht nur in der Erfüllung seines eigentlichen Zweckes, „Bestreitung der Kosten zur Aufdingung unbemittelter jüdischer Knaben bei Handwerkern, oder zum Besuch von Gymnasien, Kunstakademien und Universitäten" bethäligt, sondern er suchte auch durch mehrere Veranstaltungen (als Haltung von religiösen Vorträgen in deutscher Sprache, Veranlassung zur Einführung eines katechetischen Religionsunterrichts, Confirmationen, Verbreitung belehrender Schriften rc.) auf die Gesinnungen der Gemeindeglieder zu wirken, um sie für Reformen in der Gemeinde- und Cultusverfassung empfänglich zu machen. Nächstdem war das Hauptaugenmerk des Vereins auf Berichtigung der selbst bei gebildeten Christen noch zu sehr vorherrschenden irrigen Ansichten über Juden und Judenthum gerichtet; man beobachtete sorgfältig die Verhandlungen der Landtage und arbeitete dahin, günstigere Entscheidungen über unsere bürgerlichen Verhältnisse herbeizuführen, als das sicherste Mittel zur Verbesserung der religiösen Zustände, so wie zur Förderung aller gemeinschaftlichen Einrichtungen. (Forts, f.) Literatur. Die Synagoge. Eine jüdisch-religiöse Zeitschrift; zur Belehrung und Erbauung für Israeliten. In Verbindung mit vielen jüdischen Gelehrten herausgegeben von vr. L. Adler in Unsleben. Jahrgang 1. Erste Hälfte. 6 Hefte. Diese Zeitschrift enthält theils vollständige Predigten, theils Bruchstücke aus Predigten, außerdem Gedichte, Aufsätze, Nachrichten und literarische Recensionen, — alles sehr populär gehalten, und auf ein größeres Publikum berechnet. Bei der sehr großen Unwissenheit so vieler Israeliten in den religiösen Ansichten sowohl als in ihrer eigenen Geschichte, und bei der Schwierigkeit, die Quellen selbst anzuschaffen oder zu benutzen, kann man es nur gut heißen, daß eine solche Sammlung in mäßigen Heften und zu wohlfeilen Preisen auch dem Volke die wichtigsten Lehren und ansprechende Auszüge ausreligiösen Schriften verständlich zuführt, und an Nachdenken wie an Theilnahme für bessere Erkenntniß gewöhnt. Mehrere anerkannte Gelehrte, als L. Stein, A. Kohn u. A. liefern uneigennützig Beiträge dazu. Möge diese Zeitschrift Eingang finden und recht viel Gutes stiften. Den Wunsch können wir aber nicht unterdrücken, daß die Redaktion darauf bedacht sein möge, nicht bloß Aufsätze, die eine andere Stufe einnehmen, auszuschließen, wie sie denn in der Thal einen angeblich aus Versehen mit eingetragenen Aufsatz im IV. Heft nachmals desavouirt, (und das mit Recht, weil der ganze Ton jenes Aufsatzes dem Zwecke der Zeitschrift entgegen arbeitet), sondern auch, und das weit fleißiger, die Diktion recht correct zu halten, zumal gerade die Leser, welche hier Erbauung und Belehrung suchen, in dieser Beziehung wenig Sorgfalt beobachten, und durch Nachgiebigkeit abseiten der Schriftsteller in herrschenden Fehlern noch bestärkt würben. So z. B. S.249 „ob man Piutim (Ritualgesänge) sagen oder nicht sagen solle;" S. 256 maphsik sein uud dergleichen undeutsche Ausdrücke, welche mindestens als schlecht und verwerflich bezeichnet werden sollten. — Zur exegetischen Bemerkung in Nr. 22 der Annalen. Der Conjectur des Herrn T. stehen entgegen: veut. VI. 9. Exod XXXIV, 1. Jerem. XXXVI. 18 u. v. a. Stellen. Nach der Pesikta diente der Kalküberzug zur Erhaltung der Steinschrift (vergl. mos. Judenthum S. 12). Analog ist die Art, wie der Baumeister Sostratus aus Knidos seine Namensunterschrift der Nachwelt erhalten hat. — Uebrigens ist Talm. Jeruscli. Sotah c. 7 nachzulesen. Was die Angabe betrifft, daß das Gesetz in 70 Sprachen geschrieben werben sollte, so verdient dieß als Agada keine Beachtung. S. auch Nachmenibes sä veut. XXVII. 3. besonders die Schlußbemcrkung. _ M. Brück. Nachträgliche Erinnerung. Beim Durchlesen der in Hinsicht ihres Gehaltes schon Nro. 12 unsrer Annalen gebührend anerkannten Copenhagener „Agende zum Gebrauche beim israelitischen Gottesdienst von Dr. A. A. Wolfs," an welcher der Unterzeichnete zwei Ausdrücke als nicht angemessen bemerkte, findet er sich bewogen, nachträglich hinzuzufügen, daß der Ausdruck Priester, welcher in jenem Buche einmal vorkommt, nur aus dem dänischen Ausdruck, womit (nach S. 143) der Charakter des Hrn. vr. W. gesetzlich bezeichnet wird, geflossen, folglich auch dort nicht als dem Worte Rabbiner im Allgemeinen entsprechend, gewählt worden ist. Was den Ausdruck Agende betrifft, so scheint dieser (vergl. das sächsische Regulativ in Nro. 20) auch sonst gebilligt zu werden, und somit durch den Gebrauch seine Gültigkeit zu erhalten, was denn offenbar unser Urtheil modificirt. I. Druckfehler: Nro. 23. S. 180. 2. oben lies Schalscheleth, und 181. 2. Mitte, st. geschriebene, lies: ausgeschriebene. Druck und Verlag von Johann David Saucrländer in Frankfurt am Main.

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