Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 3 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 108 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- IRI
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DIE SCHÖNE WOHNUNG OSKAR WLACH WOHNZIMMER der inneren Sammlung und Selbstbesinnung. Sie will nidit das Außerordentliche, sondern nur das Ordentliche, nicht die schöne, sondern nur die gute Wohnung. Im Kreise Oskar Strnads wollen das außer dem Führer auch Josef Frank, Hugo Gorge und Oskar Wlach. OSKAR WLACH Sein Möbel — die unterschiedlichen Anrichten und Büfetts, der Wäscheschrank und der Toilette^ Spiegel für die Dame — das alles ist einfach. Man wird sagen: englisch. Das gilt und gilt wiederum nicht. Die Engländer sind ebenso vernünftig, aufrichtig und durchsichtig, aber sie sind um einen guten Grad nüchterner, sie haben eine andere, gestreckte und zielsichere Rhythmik, ihr Wohnbau spiegelt ihren eigenen, sportgezüchteten Körper, sie haben den Rhythmus ihres Lebens. Wlach ist Wiener, trotz allem. Er teilt zwar nicht die schwerflüssige Behäbigkeit der bürgerlichen Möbelmacher, nicht ihren Hang zum aufgepfropften Zierat. Er ist leicht. Auf schlanken Füßen erhebt sich der körperhafte Bau seines Möbels, Rumpf und Glieder spielen in deutlichen Gelenken. Aber die Schönheit dieser zweckmäßigen Gegenstände ergibt sich bei untadeliger, glatter Bearbeitung der Hölzer aus den klaren und fein gemessenen Ver^ hältnissen der Teile zum Ganzen, sie hat wiener Rhythmus — allerdings nicht den der baddiendeU seligen Gemütlichkeit, sondern den der modernen Großstadtlogik. Der Kamin ist ein Ding für sich. Aus wage^ und senkrechten Ziegeln wuchtig aufgebaut <ein Jeder geprägt und durch eine weiße Kittfuge abgehoben), lädt dieser Kamin zur Feierstunde die Hausleute zu sich, in die Ecke des beschaulichen Verweilens. Dann die Innenräume. Es sind Spezialzimmer darunter: das Empfangszimmer, dessen Inventar hauptsächlich aus allerhand Sitzgelegenheiten besteht,- das Schlafzimmer, dessen Schlafteil tagsüber von einer quer durchlaufenden Gardine verdeckt werden kann, und das Speisezimmer, gekennzeichnet durch seine schlichte, strenge Noblesse. Aber alle diese. Spezialräume streben schon, wie scharf auch ihr besonderer Zweck hervortritt, dem gemeinsamen Ziele dieser Interieurkunst, dem Wohnräume, zu. Er zeigt sich in einer Reihe von vortrefflichen 108