Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 72 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DAS BILD DER BÜHNE OSKAR STRNAD »DER WEISSE HEILAND« <LAGERSZENE) wird. Aber es kommt anders. Der Bannerträger zum Symbol, zur Arabeske. Und ging mit diesem europäischer Gesittung erweist sich als Barbar, als Grundgefühl an seine Arbeit, ein hartherziger Heuchler, der die blinde Hingabe Zwei Szenen, die eine greifbar in ihrer Realität, des Indianers mit Verrat vergilt. Er läßt der die andere ganz aufgelöst in magische Beleuchtung, Goldgier, der Mordlust seiner Gesellen freien Lauf zeigten den äußersten dramatischen Kontrast im und macht den Kaiser in seinem eigenen Hause Bilde, die Pole, die Strnad seinem Werk gesetzt zum Gefangenen. Die spanischen Kriegsknechte hatte. Die eine: das Lager der Spanier über der dürfen ihn ungestraft verspotten und verlästern. Landschaft von Mexiko mit einigen staubgrünen Zu spät erkennt er seinen Irrtum. Aber gerade Agaven und einem mattgoldeneri Stufenberg, links aus seiner tiefsten Erniedrigung wächst er mensch^ vorne das gelbe Zeltwimpel, rechts das plumpe lieh, übermenschlich empor zur Größe des Dulders, graue Geschütz, die Gruppen der Kriegsmänner der lieber den Tod auf sich nimmt als den Abfall fest geschlossen, ihre Gebärden derb, wirklich, mit von sich selbst. dem Erdboden verwurzelt —' ein Bild von jener Der Inszenator dieses Gedichtes, das sein Dichter eindringlichen Kraft und wahrhaften Schönheit wie Gerhart Hauptmann eine »Dramatische Phantasie« »Die Übergabe von Breda« des Velasquez. Die benennt, sah sich hier vor eine gefährliche Aufgabe andere Szene: eine Vorhalle im Palaste Montezumas, gestellt. Denn er sollte den unbestimmten, üppigen zu beiden Seiten ernste, abenteuerliche Fanale mit Zauber eines exotischen Urlandes, den Spielraum steil schwelendem Rauche, das Ganze getaucht in für eine dekadente, barbarisch-überfeinerte Gesell^ ein grünliches Licht, später violett aufdämmernd — schaff darstellen. Jeder Andere wäre in phantastische die Bild gewordene, wehmütige Stimmung des Ausschweifungen, also in eine Art Ausstattungsnahen Unterganges. Alles Übrige bewegte sich revue verfallen. Strnad bewies jene edle Mäßigung, zwischen diesen Gegensätzen, an der Grenze die den Charakter seiner Kunst am wesentlichsten zwischen Anschaulichkeit und Geheimnis, kennzeichnet: Phantasie, gezügelt durch den stren^ Der gleitenden Fülle der Bilder gab der Architekt geren Geist architektonischer Gesinnung. Er sah durch die seitlich einrückenden Pfeiler, durch die den Lebenskreis, den er gestalten sollte: erstarrt seichte, breite Stufung der Mitte das wiederkehrende 72