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Das Zelt · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 9 (sequence 17)
Language
German
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DER BERG IN DER WÜSTE DRAMA VON WALTHER EIDLITZ Geßoren 28. August 1892 in Wien. Bisßer erschienen: „ Höfderfin „Derjunge Gina",- „Der gofcfene Wind" (sämtliche im Erich Reiß Verfag, Bertin) und „Die Herßstvögef" (Rowoßft= Verfag, Berfin). Das vorfiegende Drama, dessen ersten Aßt ivir ßringen, kommt demnäcßst im Städtiscßen Scßauspiefßaus in Tranßfürt a. M. zur Urauffüßrung und erscßeint in ___________ Buchform ßei E. P. Taf- Phot. A. M. ScArin, Wien, IX. Verfa0< WieiU Erster Akt Am Nil. Rechts eine niedrige Schiffshütte mit flachem Dach, das vom Ufer auf einem schiefen Brett zu erreichen ist. Zwei vornehme ägyptische Jünglinge in leichtem Badeanzug. Mose und Kar na, Arm in Arm. KARNA: Zu weit bist du geschwommen. . MOSE: Ja, zu weit. Oben ist das Wasser gut und warm. Aber von unten kam eine kalte Quelle und riß mich ins Dunkel, in die schleimige Aigens tiefe. Da hast du mich hinaufgerissen. Nun bleib' ich oben, immer oben! Oh, ich danke dir. Anders glänzt jetzt die Luft, anders weht der Wind als vorher. Ein neues Leben fange ich an. Und ich habe einen Freund! Ich darf den Arm um deine Schultern legen, ohne mich zu schämen. KARNA: Ja, Lieber, häng' dich ein. Wir sind jetzt Freunde. Laß uns immer zusammenhalten. MOSE: Du weißt nicht, wie lang ich dich heimlich bewundert hab'. Dich und deine Schwester. Deine Schwester ist schön. KARNA: Die Liane? Ich hab' sie nie darauf angesehen. MOSE: Nun weiß ich, wohin ich gehöre. Die Welt liegt vor mir wie eine goldene Wolke. Ich möchte alles umarmen. Alles gehört mir. Du hast dich in Gefahr begeben. Du hättest dein Leben verschenkt für mich. Ich möchte es dir vergelten. Ich möchte dir zeigen, daß ich mich auch opfern kann für dich und deine Schwester. KARNA: Du lieber Freund, sicher kannst du es, sicher wirst du's uns zeigen. Aber jetzt ist's, glaub ich, am besten, wenn wir hinaufsteigen auf das Dach der Schiffshütte, in unser Reich. Dort legen wir uns nieder. MOSE: Schau7 das Wasser an,- wie die Brise helle Furchen hineinschneidet. Gehen wir noch am Ufer. Ich kann jetzt nicht ruhig liegen. Ich muß etwas tun. Sie bleiben am Rand der Bühne stehen und sprechen leise weiter. Von der andern Seite kommt Aharon, ein ebräisdier Sklave, mit einer schweren Ziegellast. Er blickt scheu zu Mose hin. AHARON: Nur mit den Augen kann ich ihm folgen. Ich darf ihm nicht nahe kommen. Wenn er allein wäre, könnte ich ihn ansprechen. Heute könnte ich ihm alles sagen. MOSE zu Kama: Ich möchte herrschen. Die Menge vor mir zittern seh'n. Ich möchte ein Feldherr sein und hinausziehen an der Spitze des Heeres durch die Wüste, glühende Sonne auf mir, in die Schlacht. Beide ab. AHARON: Oh, hätt' ich Mut wie er. Da könnt' ich das Volk erlösen. Aber ich bin feig, gedud\t wie die Andern. Sie kommen. Er hält sich abseits. Die Ebräer kommen, schwer mit Ziegeln bepackt. EIN EBRÄER: Heiß! Heiß! ANDERER EBRÄER: Doppelt drücken heute die Ziegel. DRITTER EBRÄER: Meine Zunge ist ausgedörrt vom roten Glutstaub. Das nächste rasch, keifend. ZIPHION: Tritt mir nicht auf den Fuß! HAGGI: Gestern hast du mich getreten. ZIPHION: Ich werde dich angeben. Ich hab' ge^ zählt. Zu wenig Ziegel hast du geladen. HAGGI: Du kannst leicht verleumden, du schid\st deine junge Frau zu dem Aufseher. Warum bleibt sie so lange aus? Was tun sie miteinander? ZIPHION: Gib lieber auf deine Töchter acht. Zu wenig Ziegel hast du geladen. EIN EBRÄER: Aharon hat gesagt, wir sollen nicht das volle Gewicht aufladen. ANDERER EBRÄER: Nur die Kranken hat er gemeint. ERSTER EBRÄER: Aharon hat gesagt. . . ZIPHION: Wir werden ihn eintauchen. HAGGI: Das wird er büßen. ARD: Was tut er? Er hat sich abgesondert. Höhnisch: Er ist ein Vornehmer. — Du, Aharon, 9

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