Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 3 (März 1857)
- Date
- 1857-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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u. die Emanuel-Gemeinde zu New-Vork. 7ö form. Der erwartete Sturm, den er selbstbewußt heraufbeschworen, brach los und er ward von seinein Amte entlassen. Da stand er nun in der großen Weltstadt, krank, von der großen Menge verlassen, ohne Mittel, sein Leben zu fristen. Einige wenige Freunde, Dittenhofer, Renau, Michelbacher, Seligmann und Andere hatten schon längst das Bedürfniß nach Reform gefühlt, die Tüchtigkeit des Mannes erkannt und schätzen gelernt und vereinigten sich (1344) zu dem Zwecke, einen Tempel zu gründen und die geistliche Leitung desselben dem sel. Merzbacher zu übertragen. Gering waren die Mittel und Kräfte, aber der Wille war gut und sie entschlossen sich, keinen Hindernissen aus dem Wege zu gehen. Die Gemeinde konnte ihrem Geistlichen einen jährlichen Gehalt von nur 200 Dvll. geben; er aber diente ihr, obwohl von Nahrungssorgen umringt und immer kränkelnd, mit derselben Treue und Aufopferung, wie in den letzten Jahren, in denen das Institut eine nie geahnte Blüthe erreicht hat. Mit unermüdlichem Eifer predigte er gegen Intoleranz und Aberglauben, gegen verjährte Gebräuche unv Minhagim, und wies glaubens- und vertrauensvoll auf den gewissen Sieg des Fortschrittes in naher Zeit. Die Tempelgemcinde hatte ihren Gottesdienst damals nur in einem Saale in Clinton-Street; die Ordnung, die Ruhe, die Andacht und Weihe, die aber darin herrschten, stachen so herrlich gegen den Gottesdienst in den andern Synagogen ab; die junge Gemeinde war von eiuem so innigen Geiste gegenseitiger Liebe und allgemeiner Achtung ihres Geistlichen durchdrungen, daß die Aussicht auf einen sichern Erfolg von Tag zu Tag sich steigerte. Und dieser Erfolg wurde, durch Merzbacher's überaus weise Leitung vorbereitet und gesichert. Einmal machte er in seiner Reform keine Sprünge. Das Volksbewußtsein, das dem Radikalismus durchaus feindlich war, richtig beurtheilend, führte er anfangs nur sehr unbedeutende Reformen ein. Das Weglassen der ralmudischen Stellen aus dem Gebete, das Beseitigen des Machsor an den Feiertagen, mit Ausnahme des Neujahrs- und Versöhnungstages; die Einführung des Chors und erleuchteter Predigten, die künftigen Reformen vorarbeiten, waren die ersten 6"