Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 1 (1851)
- Issue
- Heft 11 (November 1851)
- Date
- 1851-11-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3129675-3129676-3129688--0279-3132778- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Israelitisches Schulwesen. 2S3 mcht nur von dem Genüsse der politischen und Gemeindebürgerrechte ausgeschlossen war, sondern nicht einmal ordentliche Gewerbe treiben durfte: Israel ist nunmehr in die große Staatenfamilie in fast allen europaischen Landen mit vollen Rechten und Pflichten eingetreten. Es soll Theil nehmen am Wohl und Weh' dieser zahlreichen Familie; eS ist nicht mehr ausgeschlossen von dem Betrieb' ordentlicher Handthierungen, sondern eS werden solche mit Recht von ihm erwartet und verlangt. Die Niedern wie höhern öffentlichen Lehranstalten sind ihm zur Ausbildung seiner Söhne geöffnet, die als Gelehrte und Künstler nicht mehr auf einzelne Zweige beschränkt sind. Daß dieß Alles auf die israel. Volksschule, welche die Kinder zuerst aus der Hand der Eltern empfängt, nothwendig einwirken mußte, ist ganz natürlich, auch abgesehen davon, daß dieselbe sich ja nicht selbst überlassen blieb, sondern von Staatswegen einer höhern Aufsicht unterstellt wurde. Nun genügte nicht mehr das bloße Studium der Bibel und deren Kommentare sowie anderer hebräischer Schriften, so sehr es auch von Seiten der Religion dem Israeliten zur Pflicht gemacht ist: „über das Buch der göttlichen Lehre zu sinnen Tag und Nacht" (Jos. 1, 8); sondern eS vermehrten sich die Lehrfächer, und die gewöhnlichen, nothwendigen und gemeinnützigen Elementar-Gegenstände suchten und fanden anch in der israel. Volksschule ihre Aufnahme. Da heißt es denn in der That: NM N2dchyN1 „Der Tag ist kurz und die Arbeit ist groß"! Daß dadurch dem früheren ausschließlichen hebräischen Unterrichte nothwendig Abbruch, gethan werden mußte und noch muß, ist ganz natürlich, wenn nicht den jüdischen Lehrer und seine Schule der Vorwurf treffen soll, der einst dem weisesten Lehrer Israels geworden: „ erschöpft werden wirst du sowohl als daS Volk, das dir beigegeben ist, denn die Sache ist zu schwer für dich; du kannst eS allein nicht fertig bringen." (2. Mos. 18, 18). Allein dessen ungeachtet ist unsre frühere Aufgabe dieselbe geblieben, wie sie einst durch den ersten Propheten verkündet *) Spr. der Bat. ll, 15 . — 23»