Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 1 (1851)
- Issue
- Heft 9 (September 1851)
- Date
- 1851-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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' Der ««tritt tn's Vaterhaus. 199 die nach Gott sich sehnenden Seelen. Ja, und auch der Leib findet hier seine Brüder. Wir stehen hier Alle vor Gott als sterbliche Menschen; wir kommen heute und morgen Alle zum Bewußtsein unserer Vergänglichkeit; wir sind Alle Kinder Gottes, und sind Alle Kinder des Staubes. Und nun wenn wir Alle Kinder find desselben Gottes, warum durch Haß verleugnen unsere göttliche Abkunft? warum nicht durch Liebe bewahren unsere himmlische Natur? Und sind wir Alle Kinder desselben Staubes, warum uns erheben Einer über den Andern? sind wir Alle Bewohner von lehmernen Hütten, ,ivn '221V, warum stolz fein, wenn die Hütte des Einen etwas schöner und reicher verziert ist als die des Andern? gehen ja, die Verzierung und die Hütte, beide Einen Weg, fie werden zu Staube! — Und warum uns das Leben verbittern, das kurze Leben? warum eS uns nicht versüßen durch Liebe? warum es uns nicht verschönern durch Wohlthun, durch Theilnahme in Wort und That? — Mein begüterter Mitbruder, meine reiche Mitschwester, du findest hier deine Brüder, du findest hier deine Schwestern wieder! Draussen im Leben meinest du, der arme Mann, das arme Weib seien von anderem Holze wie du; kalt und vornehm gehst du an ihnen vorüber. Hier findest du sie als deine Brüder wieder; beide seid ihr gleich in euerer Schwäche vor Gott, beide gleich in dem Bedürfniß seiner Gnade; ja, der Arme steht, als ein leidendes Kind, Gottes liebendem Vaterherzen noch naher, und nur wann du von dem Deinigen genug deS Guten an ihm gethan, dann erst darfst du eS wagen, dein Auge heute und morgen frel zum Vater empor zu wenden. — Armer Mitbruder, arme Mitschwester, du findest hier deine Brüder, hier deine Schwestern, hier deine sterblichen Leidensgenossen wieder. Draussen im Leben blickst du auf den Reichen mit Neid, mit Unmuth, hier besänftigt sich dein Herz. Auch der Reiche hat seine Leiden; wer weiß, waS ihn drückt, wann er seine Seele ausgießet vor Gott! Halte dein Gemüth rein, erziehe deine Kinder gut, und söhne dich aus heute mit deinem Schicksal, söhne dich aus mit dem Loose deines reicheren Bruders. — Und ihr, die Gott in Liebe verbunden hat, erneuert an