Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1852)
- Date
- 1852-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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October 1852. 38. Einiges über die moderne Predigt von vr. M. Dreifuß Landesrabbiner in Sachsen-Meiningen. Die moderne israelitische Predigt, die immer mehr und mehr in den israelitischen Gotteshäusern heimisch wird und volles Bürgerrecht in denselben erlangt hat, ist bekanntlich ein Produkt der neuen und neuesten Zeit; sie ist das aber weniger in Bezug auf deren Gehalt als deren Gestalt, welche vielfach von den fast zu allen Zeiten in der Synagoge mit Liebe gepflegten Vorträgen, deren abgekürzter Inhalt zum Theil auch im Talmud und Midrasch niedergelegt ist, abweicht. Der judaische Geist, inhaltlich großartig, stets das Gepräge des Tief- und Scharfsinnes an sich tragend, hat selten einen sehr großen Werth auf das Formale gelegt. Mit großer Naivität acceptirt der Taluud das ,7N1N2 ^N^vl „(es ist keine chronologische Ordnung der Gesetze im Pentateuch"), welches doch in jseiner tiefern Bedeutung die Nichtbeachtung des Formalen ausspricht, wogegen wieder andere Lehrer des Talmud's in dem sogenannten NI^QO* — Erklärung des ittnern Zusammenhanges indem scheinbar und ä ußerlich Unzusammenhängenden — diesen Mangel des Formalen zu beseitigen suchen. Nur der heidnische, speciell der griechische Geist hat die Totalität und den innern Zusammenhang des menschlichen Geistes auseinandergerissen, er hat die Tätigkeiten des menschlichen Geistes abgegränzt und abgemarkt und diese, so zu sagen, in Schubfächer eingezwängt, wodurch eigentlich das Formale aller Wissenschaften entstand. Es ist hier durchaus nicht der Ort, auf die im Vorbeigehen hingeworfene Bemerkung des Nähern einzugehen; wir wollten nur bemerklich machen, daß das Formale der modernen Predigt, worin *) Trakt, Seite 4 s. II. 21