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Der israelitische Volkslehrer · 1853-07-01 · Heft 7 (Juli 1853) · page 23

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
3 (1853)
Issue
Heft 7 (Juli 1853)
Date
1853-07-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Eine Erzählung. chen und der silbernen Hand ihr wieder angelegt hatte, da erhob sich draußen, ganz nahe, ein so gewaltiges Toben, Lärmen und Schießen, Trommelwirbel und Trompetengeschmetter, daß Alle entsetzt in die Höhe fuhren und starr und bleich einander ansahen. -- Zum untern Thor, an welchem die Synagoge lag, war nämlich der Feind in die Stadt gedrungen, Alles vor sich hertreibend. Und ehe die erschreckte Gemeinde sich entfernen, ehe der Vorsänger die Thora wieder in die heilige Lade stellen konnte, war schon ein Haufe Soldaten in das Gotteshaus eingedrungen, stürzten schon die Vordersten beutegierig über die Thora her, um sie ihres Schmuckes zu berauben. Schauerlich ertönte in den sonst so stillen Räumen das wilde Geschrei; mit einem Muthe, welchen ihm das Heiligthum in seinen Armen einflößte, rang der Vorsänger mit den Soldaten, welche ihm die Thora entreißen wollten, bis ihn ein Schuß todt zu Boden streckte; krampfhaft hielt er im Tode noch das heilige Kleinod umfangen. Ohne Schonung wüthete nun die Rohheit im Heiligthum des Herrn. Die heilige Lade wurde aufgerissen, die Thorarollen, welche man mit gleichem Schmuck wie die eine angethan wähnte, aus dem Tabernakel herausgerissen, die verschlossenen Betpulte mit Gewehrkolben aufgeschlagen, und, weil sie die vermeintlichen Kleinodien nicht enthielten, grimmig zu Boden geworfen. Pulverdampf und entblößte Mordgewehre, Fluchen und Toben der Soldateska, Geschrei und Weheklagen der Verwundeten und Fliehenden erfüllten den heiligen Ort des Friedens, welcher vor wenigen Augenblicken noch von dem Worte der ewigen Gerechtigkeit wiederhallte. Noch einmal wurden die Thören ausgerissen, ein zweiter Haufe Soldaten trat ein, an ihrer Spitze die hohe schlanke Gestalt eines jungen französischen Offiziers. Und als dieser den Gräuel der Verwüstung erschaute, überzog sich sein schönes gebräuntes Gesicht mit Entrüstung, und laut rief er: „Kameraden! Franzosen! schämt Ihr Euch nicht, Wehrlose anzugreifen, Greise zu morden, ein Heiligthum zu schänden?"

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