Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 4 (April 1853)
- Date
- 1853-04-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3129675-3129704-3129709--0730-3132106- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
96 Der Verein für israe'l. Waisen zu Mainz. (Eingesendet.) Mainz, im April. Zur Erinnerung an die Einweihung der hiesigen prachtvollen Synagoge wurde, auf Anregung des Herrn Rabbiners vr. Aub, ein wohlthätiges Institut gegründet, dessen Dasein verdient in weitern Kreisen bekannt zu werden. Es bestehen nämlich in der israelitischen Religions-Gemeinde dahier viele Wohlthätigkeits-Vereine, aber ein wichtiges Institut wurde bisher vermißt: eine Anstalt für Ernährung und Erziehung mittelloser Waisen. Ein solcher Verein ist nun im Werden, ja er erfreut sich schon seines Bestandes. Theils durch einmalige Geschenke, die sich auf ungefähr 8000 Gulden belaufen und den Kapitalstock bilden, theils durch jährliche Beiträge, welche ungefähr 500 Gulden betragen werden, ist der schöne Grund zu diesem mildthätigen Vereine gelegt, welcher eine fortdauernde unversiegbare Wohlthätigkeit üben wird. (O^i^ ^NDN N5 ^2 NP^ INNtt). Und sagt der Psalmist (84) von dem Gotteshause, die Seele suche dort ihre Heimath, wie die Schwalbe ihr Nest aufsucht ^) N'ü NttAQ), so reihet sich an die Einweihung der Synagoge schön eine Anstalt an, welche für unglückliche Kinder sorgen will, denen der heimathliche Heerd zerstört ist. — Die Unterstützungen des Vereines werden 1) den Doppelwaisen, sodann 2) den vaterlosen und 3) in letzter Reihe den mutterlosen Waisen zufallen. Aus dem sich allenfalls bildenden Reservefond sollen auch sonst würdige Nothleidende Unterstützung erlangen können. An der Verwaltung nimmt der Rabbiner Theil, dem es obliegt, die religiös-sittliche Erziehung zu überwachen. Es verdient dies besonders hervorgehoben zu werden, da noch immer sich da und dort die irrige Ansicht Geltung verschafft, der Rabbiner habe sich um die Schule nicht zu kümmern. Der flache und schale Rationalismus wittert nämlich in allen noch so gebildeten und für den Fortschritt kämpfenden Rabbinern das Gespenst des Rückschrittes und fürchtet das Predigen des geoffenbarten göttlichen Wortes nicht minder als die Lehre des Ultrarabbinismus. Doch diese ober-