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Der israelitische Volkslehrer · 1855-12-01 · Heft 12 (Dezember 1855) · page 22

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 12 (Dezember 1855)
Date
1855-12-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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«ld die Shyloksage. 429 und er selbst bereitete sich zum Sterben unter lautem Gebete vor. Man hörte ihn überall deutlich beten, denn ringsum herrschte eine tiefe Stille. Plötzlich verwandelte sich dieses Schweigen in allgemeines Gemurmel. Alle Köpfe wandten sich rückwärts, und die Masse schwankte und wogte, denn es drängte sich durch den Volksknäuel, ckuf weißem Mäuler, einer der Senatoren in schwarzem Sammet und Barer, mit goldner Kette über die Brust, und rief dem Dollstrecker des Unheils, als er eben das Messer anzusetzen im Begriffe war, ein Halt zu. Sodann stellte er sich dem Antonio gegenüber und sprach laut: Se. Heiligkeit, Unser Vater, läßt dich, Antonio Zavella, durch mich ersuchen, daß es dir gefallen möge, von deinem strengen Reckte nachzulassen und Barmherzigkeit an dem unglücklichen Hebräer zu üben! — Ick werde einfach auf meinem Rechte bestehen, antwortete kühl der Baron — und Se. Heiligkeit wird wohl am wenigsten geneigt sein, die Strenge desselben zu mildern. — Er will das auch nickt; nur läßt er, weil ja kein Verbrechen dem Hebräer zur Last fällt, dick bitten, da nunmehr die tausend Zechinen zusammengebracht sind, Gnade für Reckt ergehen zu lassen, und daS Geld statt des verpfändeten Fleisches anzunehmen. — Das Pfand ist verfallen! an dem Gelde liegt mir nichts; ich will das Fleisch von unseres Heilands Mörder, für dessen Leben Ihr so große Sorge traget. — Ich fordere dich, Antonio Zavella, im Namen Sr. Heiligkeit unseres Herrn, zum dritten Male auf, von deiner Forderung an den Hebräer Shylock, einen unbescholtenen, und, trotz seiner Jrnhümer in seiner Weise, frommen Mann, abzustehen! — Mein Beschluß ist nicht mehr zu ändern; es bleibt dabei, rief mit trotzigem Hohne der Baron. — Woblan denn! sprach der Senator zum Volke, es hat sich zu Gunsten des Hebräers ein unverdächtiger Zeuge eingefunden, ein Zeuge der für sein Leben einstehen will. Mag er auftreten! Damit winkte er mit einem Tuche, und mit der Eile des Winkes sprengte einer auS der Nobelgarde über die Brücke dem Vatican zu Auch dauerte es nicht lange, da trabte die ganze Nobel^arde heran, drängte das Volk zur Rechten und Linken an die Seite, und machte Straße dem, auf seinem Maultbiere sich nähcrnden von mehreren Cardinälen umgebenen, Pabst; dieser r-tt vor biS ans Blutgemst, stellte sich dem Kläger gegenüber, und sprach mit seiner erschütternden Donnersti-sme: Ick bin der Zeuge! Jener Unschuldige, den du in diesem Momente dem Messer des HenkerS überliefern willst, duldet, weil du ihm zwar die Tausend Zechinen erlassen wolltest, aber nur um

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