Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1855)
- Date
- 1855-12-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Pabft SirtuS V. «. d. Ehyloksage. ^25 das die blutgierige List und Rachsucht eines der verwegensten Barone unter seinen Augen und ihm zum Trotze der rohen Bevölkerung Roms zum Besten geben wollte, nickt los werden, und kaum haue sich ein tieferes Abenddämmern über die Stadt zu seinen Füßen ausgebreitet, als er schon wieder in seiner Verkleidung aus jener Thüre schlich, sie hinter sich verschloß und den Schlüssel sorgfältig verwahrte. Er ging aufs Oeradewohl, und sein Stern leitete ihn nach jenem Thore des Ghetto's, an welches ihn der unbekannte bettelnde Tischgenosse des heutigen Morgens hinbestellt hatte. Da sah er einen der Bewohner des Ghetto eiligen Schrittes dem Thore desselben zueilen, das nun bald geschlossen werden sollte. Der Pabft hielt den Ellenden auf, von ihm etwas Näheres über den traurigen Fall zu erfahren, näherte sich zugleich dem wartenden Kriegesknecht, dem er eine kleine Silbermünze reichte, und bat diesen, das Thor nur noch einige Minuten geöffnet zu lassen, da er mit dem Hebräer zu sprechen verlange. — Diesen fragte er nun nach allen Umständen und erfuhr, daß er eben vom Oberrichter der Rota, dem Oheim des grausamen Antonio, komme, für seinen Verwandten, den unglücklichen Shylock. nur noch um einige Tage Aufschub zu bitten, da er hoffe, die tausend Zechinen bis dahin zusammen zu bringen; daß ihn aber der Oberrichter mit Härte entlassen und gesagt habe, daß das jetzt, nachdem das Pfand emmal verfallen, zu spät sei. Sein Neffe werde gewiß sein Pfund Fleisch so sanft als möglich herausschneiden lassen. Auch soll eS an einem geschickten Chirurgen, ihn zu verbinden, nicht fehlen. An einer solchen Wunde stürbe der Mensch nicht immer! — So redete der Zude und vergoß heiße Thränen. Du mußt nicht gänzlich verzweifeln! — tröstete der Pabst. — Du kennst ja den Vers des Psalms, in dem es heißt: Siehe, eS schlummert und schläft nicht der Hüter Israels! Er schläft selbst nicht und läßt auch solche nicht schlafen, die er als Hüter eingesetzt hat- — Erzähle mir in Kürze Alles, was Du von dem Hergange weißt, vielleicht kann ich Dir. obwohl nur ein armer Bettler, Rath oder gar Hilfe verschaffen. So mag Gott einen seiner Engel senden, uns aus der Notb zu erlösen! rief tiefseufzend der Israelit. Menschenbilfe wird schwer lich in diesem Falle hinreichen, besonders bei der Kürze der Zeit. Denn Mit Tagesanbruch soll das blutige Werk vollbracht werden. Und eher läßt sich der Tteger sein blutiges Staf von einem Knaben aus dem Rachen reißen, als Amonio seine Beute fahren laßt „Aber wie kam es denn, daß Dein Verwandter sich zu einer so seltsamen Nerschreibung entschloß? Zhr seid ja sonst so vorsichtig im Geschäfte!" V. 32