Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1855)
- Date
- 1855-12-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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«ud ihre Einweihung. 423 „ein Tempel der Versöhnung" genannt werden, indem da nicht nur alle GlaubenSparteien, Griechen und Katholiken, Protestan- und Deutschkatholiken mit den Juden einträchtig und in Andacht beisammen saßen; sondern auch vom Altar und der Kanzel her nur Worte deS Friedens und der Liebe ertönten. — Die Feier eröffnete bald nach 6 Uhr Abends mit einem Gesang vom Chor (Psalm 24), der von dem jüdischen Musiker S. Zadassohn eigens für diesen Tag componirt und von Hörnern und Posaunen begleitet war. Nach einem von dem Cantor ausgeführten Altargesang stimmte der Chor ein hebräisches Lied an, während dessen der Umzug der Tora's erfolgte. Dieser Zug bewegte sich von der kleinen Synagoge aus zum Allerheiligsten sBundeslade) und dann zum Altare. Hier sprach Herr vr. Landau, Oberrabbiner auS Dresden, umgeben von allen Gesetzesrollen, einen Altarsegen. Schon aus seinen Worten klang es heraus, daß in diesem Tempel kein finsterer Geist wohnen werde. In der Freude über das Gelingen des hehren Baues, für den die Gemeinde große Opfer gebracht habe, vergaß er es nicht, daß ihr hierbei Behörden und Bürger der Stadt hilfreich entgegengekommen; und er pries darum die Zeit, in welcher die Bekenntnisse nicht mehr die Menschen in Haß trennen, sondern die Liebe sie eint, und man nicht mehr fragt, wer bist du und was glaubst du, sondern was bist du und was thust du; und bezeichnete als höchste Aufgabe des neuen Bethauses keine andere, als daß in ihm gelehrt werde: Reckt thun und Liebe üben. Wiederum erfolgte nun Altar- und Chorgesang, und nachdem sodann die Tora's ins Allerheiligste gestellt waren, bestieg der Prediger der Gemeinde, vr. Jellinek. die Kanzel. Dr. Jellinek ist ein vorzüglicher Kanzelredner: an diesem Abend hat er die schwierige Aufgabe, seiner Gemeinde Genüge zu thun und doch auch die christlichen Glaubensgenossen zu befriedigen, meisterhaft gelöst. Seine Rede war von demselben Geiste der Versöhnung durchweht wie die Worte des vr. Landau, nur noch glühender, hinreißender, beredter. Er haue ihr zu Grunde ge» legt 2. B. Mos. 25, 8: „Und sie sollen mir ein Heiligthum machen, daß ich unter ihnen wohne." Nur flüchtig berührte er die