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Der israelitische Volkslehrer · 1855-12-01 · Heft 12 (Dezember 1855) · page 14

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 12 (Dezember 1855)
Date
1855-12-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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i» Eteveland. 42k wickelungSgange seiner Geschichte,^wie den unttreitbaren Resultaten einer gesunden Bibelforschunq Hobn gesprochen. Nicht heilen, sondern vielmehr verewigen würde die gesetzliche Anerkennung der talmudischen Autorität unsere krankhasten religiösen Zustände, die weit weniger im Kampfe verschiedener Partheien zu suchen sind, als im entsittlichenden Kampfe zwischen Lehre und Leben, zwischen den bestehenden gesetzlichen Normen und den nicht mehr abzuweisenden religiösen, wie socialen Bedürfnissen. Mit dem Talmud in der Hand lassen fich nimmermehr würdige und ausreichende Mittel ergreifen, diese klaffende Wunde am Herzen Israels zu schließen, und Reformen in CultuS und Leben höchstens nur noch einschmuggeln — durch Umgehung deS Gesetzes und Anwendung juristischer Kniffe und Spitzfindigkeiten. Eine Probe von der Art und Weise, wie man nach jener Platform zu reformiren gedenkt, liefert der im „JSraetite" Nr. 16. erwähnte Vorschlag, das biblische Gebot der Schwagerehe, reSp. der Ehalizah dadurch außer Kraft zu setzen, daß die Ehe gleich von vorne herein falls der Gatte ohne Hinter?assung von Kindern sterben sollte, als nutz und nichtig, als ein bloßes Concubinat erklärt wird. Ein solches Verfahren ist sicherlich weit eher geeignet, das Ansehen der Religion und ihrer Institutionen zu untergraben, als zu heben. Es zeigt klar und deutlich, mit welchen Gefahren der Versuch, das israelitische Leben in die Leichen, arme längst verblichener talmudischer Anschauungen zurückzuzwängen, selbst unsere heiligsten Anstalten bedroht. Anstatt dem Talmud mit vielem Pomp Thür und Thor zu öffnen, und dann der Gewalt desselben durch ein Hinterpförtchen zu entrinnen, ziehen wir es vor, seine gesetzgeberische Autorität in Abrede zu stellen, und seine Auffassung der biblischen Gesetzlichkeit für eine überwundene Stufe der religiösen Erkenntniß zu erklären, ohne darum weniger von Hochachtung erfüllt zu sein vor der reichen Fülle religiösen Bildungsstoffes und vortrefflicher Anstalten, die das Judenthum auch in dieser Phase seiner Entwickelnng zu Tage förderte. Auch wir schätzen den Frieden in Israel als ein hohes Gut; allein derselbe dünkt uns um den Preis ver Verkümmerung unseres höchsten Gutes, deS Juventbums, viel zu theuer erkauft, und kann am wenigsten damit erzielt werden,-daß einige Männer im Namen von ganz Israel Glaubensartikel verkünden, welche der abweichenden Ueberzeugung keinen Raum mehr innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gestatten. Möge das freie amerikanische Israel auf seiner Hut sein gegen solche hierarchische Bestrebungen, die eS unter lieblich tönenden Friedensklängen jetzt durch Dogmen, und dann durch einen amerikanischen Minhag in Fesseln schlagen wollen. Nicht umsonst wurde ursprünglich der Plan gehegt, ein Consistorium zu errichten. Zft das große KriedenSwert erst vollendet und Alles unter einen Hut gebracht, dann ist der Hut leicht in eine Bischofsmütze zu Verwandeln, dann thut eS Noch, für die große Eine Heerde Oberhirten zu bestellen, und fertig find — die jüdischen Päpste. Danken wir Gott für die Sea-

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