Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Rückblick auf das Jahr!854. s das gemeinsame Frauenbad, welche sich ihrer Natur und den Gesetzen der Sittlichkeit nach in den Schleier 5er Verborgenheit hüllen sollte, zum polizeilichen Zwangsinstitute zu machen und von ihrer Uebung die Eingehung der Ehe zu bedingen: so fehlen unS die Worte, um dem Zorne über das verletzte religiössittliche Gefühl Ausdruck zu geben, und fällt solche Schmach nur auf die Altgläubigen selbst zurück, so wie es sicher und gewiß ist, daß ein solch' tyrannischer Gewissenszwang die Sache des Altrabbinismns nur mehr untergräbt, nimmermehr befestigt. — Wenden wir uns zu erfreulicheren Erscheinungen! — Die angebahnte Organisation der Preußischen Judengemeinden unter Aegide der Regierung, die dadurch herbeigeführte Auflösung der großen Conststorialsprengel und gebotene Sicherheit -^für die Gemeinde, ihre AnMute und Beamten ist eins froh zu begrüßende Thatsache.— Weiter sehr erfreulich ist, daß nahe und fern auch im deutschen Vaterlande neue Synagogen erstanden und erstehen, in denen sich immer gleichzeitig das Bedürfniß geltend macht und Befriedigung findet, der Erneuerung und Verherrlichung des Gottesdienstes Huldigung darzubringen. Wir hoffen, daß namentlich in letzterer Beziehung die jüngst gegründete Rabbinerconferen; einen erfreulichen Einigungspunkt gewähren wird, um aus der Zersplitterung und schwächenden Zerfahrenheit zu einer kräftigenden Einheit in Sachen des Cultus und seiner Bessergestaltung zu gelangen. Die sonstigen Wünsche und Anträge, welche bei der bezeichneten Versammlung laut wurden, gaben einen mahnenden Beweis, wieviel noch auf unserem Gebiete, nicht nur zur Läuterung, sondern ganz besonders zur Befestigung deS religiösen Lebens, zu thun sei; wie wir in den dringend gebotenen Leistungen und Anforderungen für Synagoge, Schule, Leben und Wissenschaft deS JudemhumS kaum noch in den Anfang der Anfänge eingetreten sind; wie wir daher nie säumen und rasten dürfen, wie ein Zeder von uns, der eine Kraft in sich fühlt, solche anbauen müsse zum Heile deS Ganzen, damit unS bei dem großen Werke wenigstens der Beginn gelinge, für das neue geistige Zion die Grundsteine in die Herzen unseres Volkes niederzulegen.