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Liberales Judentum · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 52

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Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 52 (sequence 12)
Language
German
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52 Rabbiner Dr. Salzberger-Ffm.: Wie gewinnen wir unsere Kinder für das Judentum IZ älteren Generation. Hier erwachst den Gemeinden eine unabweisliche Pflicht zur. Abhilfe. Auf der einen Seite muß die materielle Existenz des Religionslehrers weit besser gesichert sein als bisher, auf der anderen muß ihm in noch zu schaffenden geeigneten Lehrmitteln die Möglichkeit einer gründlichen Vorbereitung geboten werden. Was den Unterricht selbst betrifft, so, meine ich, sollte die Bibel vom ersten bis zum letzten Schuljahr als das Grundbuch' der Religion, das sie uns'ist, auch behandelt werden. Nicht in „konzentrischen Kreisen", als ob es sich nur um eine immer größeren Peripherie handelte, eher in „konzentrierter" Weise, und zwar so, daß sie auf der untersten Stufe als eine Auswahl biblischer Erzählungen mit Abraham beginnend, auf der mittleren Stufe als zusammenhängende biblische Geschichte und auf der obersten Stufe in ihren erzählenden, gesetzlichen, poetischen, prophetischen und didaktischen Teilen (bis zu den schwierigsten Hiob und Kohelet) als das einheitliche religiöse Lehr- und Lebensbuch dargeboten wird. Es trifft nicht zu, daß den Schüler solche Wiederholung ihm bereits bekannter Stücke langweilen mußes kommt einzig darauf an, wie der Lehrer es versteht, die Erzählungen psychologisch zu vertiefen bezw. dramatisch zu veranschaulichen, die Zusammenhänge pragmatisch darzustellen, an die Lektüre der Propheten- und Hagiographenbücher die großen religiösen Fragen und Probleme anzuknüpfen. Aehnlich möchte ich empfehlen mit der jüdischen Geschichte zu verfahren: * man beginne mit Charakterbildern oder Biographien bedeutender Persönlichkeiten, etwa von Hillel bis Moses Mendelssohn und weiter, lasse später eine zusammenhängende jüdische Geschichte folgen (für die Elbogens so trefflich orientierende Darstellung in der Sammlung „Aus Natur- und Geisteswelt" als Grundlage dienen mag) und gebe endlich die Geschichte thematisch: Religionsgesetz, Poesie, Religionsphilosophie, Wissenschaft des Judentums rpw., mm auf diesem dreifach geschichteten ' Fundament endlich eine jüdische Geschichte der neuesten Zeit mit ihren Kämpfen und Nöten aufzubauen. An die biblischen Erzählungen würden sich am besten die aus der nachbiblischen Geschichte anreihn, an die biblische Geschichte die jüdische Geschichte, und die thematische Behandlung der letzteren würde mit der Lektüre der Bibel als des religiösen Lebensbuches parallel laufen. Auch für diesen Zweck fordern wir Lehrmittel, ein gutes biblisches Lesebuch, ein entsprechendes nachbiblisches, ein geeignetes Lehrbuch der jüdischen Geschichte u. a. Wichtig ist, daß biblische und jüdische: . Geschichte für den Schüler nicht ihren Zusammenhang mit der wirklichen Welt verlieren; bei der ersteren darf die Landkarte^ bei der letzteren die Eingliederung in die all- . gemeine politische und kulturelle Geschichte nicht fehlen. Das geringe Interesse, das die jüdische Geschichte, mit Ausnahme der Gegenwart, bei unfern Zöglingen im allgemeinen findet, hat ihren tiefsten Grund darin, daß. sie sozusagen in der Luft hängt. Sehr wenig Erfolg verspricht eine systematische Religionslehre, die Gottes Eigenschaften in a) b) e) u. s. f. disponiert. Dagegen kommt viel darauf an, daß der Lehrer statt Theorien die Praxis bringt, statt Reden über Gesetze und- Bräuche ' ihre Aebung. Unsre Religion, die für alles Pädagogische von jeher das, feinste: Verständnis gezeigt hat, ist reich an Symbolen,-: wie sehr sie dabei an die Kinder denkt, beweist schon das Gebot der Mesusa und der Tefillin unmittelbar hinter der Mahnung^ Gottes Worte den eigenen Kindern einzuschärfen (im Schema-Gebet), beweist der ganze Seder-Tisch, der ausgesprochenermaßen zu dem Zweck so seltsam bunt geschmückt ist, um die Kinder zum Fragen zu veranlassen. Unsere Pädagogen könnten hieraus ein Doppeltes lernen: daß es notwendig ist, Kiydern Dinge wie Mesusa, Tefillin u. a. auch zu zeigen unv in die Hand zu geben, ja sie die Dinge hören,, riechen, schmecken zu lassen (Schofar, Gewürze, Mazza), weil ihnen die Religion durch alle Sinne eingehn muß, und daß das Kind nicht bloß passiv und. zuhörend, sondern auch aktiv und fragend an den religiösen Dingen beteiligt werden muß. Fragen und selbst Zweifel, der Kinder zu unterdrücken, statt sie in freier Aussprache zu lösen, mag für den Erzieher bequem sein, aber er bilde sich nicht ein, seine Schüler dadurch religiös zu klären und zu festigen. Aktivität ließe sich aber auch durch Nutzbarmachung des „Werkunterrichts" . für die Religionsstunde erreichen; man lasse die Kinder je nach ihrer Neigung und Begabung das Religiöse zeichnerisch, plastisch, musikalisch, dichterisch, dramatisch darstellen; alle Kräfte für die Religion mobil machen, heißt religiös erziehen. Auf der obersten Stufe mögen

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