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Liberales Judentum · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 16

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 Bücherschäu warmer Liebe mag . die Verfasserin gewesen sein, aber eine Dichterin war sie nicht. Und so hatte die Familie pietätvoller gehandelt, hätte jie diese gutgemeinten Verse und schwächen Reime zur eigenen Erbauung aufbewahrt, aber nicht der Öffentlichkeit übergeben. Wir leben.nun einmal im Zeitalter der Papiernot! Jakob Fingermann: Die Flucht aus Jerusalem. R. Löwit Verlag. Berlin, Wien ^9^9- - Preis brosch. k-60 Kr. In geschmackvoller Abstattung bietet der Verlag zwei Novellen eines jungen jüdischen Verfassers, die schriftstellerische Begabung verraten. Wie fördern wir den religiösen Sinn der jüdischen Jugend. Referat von Dr. G. Löffler. Herausgegeben vom verband der jüd. Iugendvereine Deutschlands. Berlin Preis 50 pfg. 5s Seiten. , Die tiefsten Probleine der Gesundung jüdischen Lebens, Mischehe, sexualethische Forderungen, soziale Umschichtung und religiöse Erneuerung behandelt dies von tiefstem sittlichen Wollen und feinstem Verständnis für den jugendlichen Geist getragene Referat. Jeder junge Jude sollte es besitzen und immer wieder lesen. Jeder Verein sollte es bei feinen Mitgliedern kostenlos verbreiten. Mit packendsten Worten ist hier gesagt, was uns not tut? Thaim Nach man Biali k: „Nach dem Progrom". Aus dem Hebräischen von Abraham Schwadron. R. Löwit Verlag, Berlin-Wien 1(9(9- Preis Kr. 2. Mit krassester Realistik schildert der bedeutendste -neuhebräische Dichter in diesen ganz modern, ganz westeuropäisch — wenigstens der Form nach — anmutenden Versen die Greuel der progrome, schildert sie so, daß dem Leser das Blut erstarrt, der Atem versagt, das Herz sich zusammenkrampft. Ein erschütternder Aufschrei, der jeden menschlich Fühlenden zur Hilfe für diese unglückseligen Opfer bestialischster Untaten aufrütteln muß. Wuchtige Anklage gegen die Passivität der Opfer zeugt von edelstem Selbstbewußtsein. . Heinrich Margulies: Kritik des Zionismus. I. Teil. R. Löwit verhrg, Wien und Berlin \920. Preis geb. (0 M, brosch.! 8 M. Uebersättigt von Programmen, ethischen Ivillensbekenntnissen und radikalen Forderungen, deren Erfüllung niemand ferner kommt, als ihre Verkünder selbst, sucht Margulies mit diesem «ersten Band einer Soziologie des Zionismus die gedanklichen Grund- ' lagen für eine Einbeziehung der jüdischen Bewegung in das gesamte Zeitgeschehen zu geben. Nicht blinder Nachbeter, sondern - dankbarer Kritiker der marxistischen Geschichtsphilosophie wendet er die neuen wissenschaftlichen Methoden philosophischen und soziologischen Erkennens auf das Judentum ■- als Volksbewegung und geistigen Gemeinschaftskomplex an. Aus Kritik und Zerlegung des Judentums in diese beiden Faktoren will er zur Synthese, wie er sie anstrebt, zur „Säkularisierung des Iudentmns", gelangen. Seine großzügige Grundlegung erscheint unanfechtbar, doch macht er, um . zu seinen Konsequenzen zu gelangen, vielleicht unbewußt, einen salto mortale, sodaß die' Schlußfolgerungen unrichtig werden. Wenn er (auf Seite 75) plötzlich die Gemeinschaftsbildung, von der er unmittelbar vorher selbst k zugibt, daß sie vom völkischen durchaus unabhängig ist, lediglich auf die Nation beschränkt, so ist das ganz willkürlich und hätte dem i scharfen und vorsichtigen Denker nicht jj passieren dürfen, wenn er nicht eben gemußt hätte aus seiner petrtio principii heraus. Bei logischem Aufbau auf seinen Voraussetzungen hätte er zu ganz anderen Ergebnissen gelangen müssen. Leider verbietet es . der beschränkte Raum, des Näheren auf das interessante, fesselnd geschriebene und wertvolle Buch, das allerdings häufig zürn Widerspruch herausfordert, näher einzugehen. Vielleicht kommen wir in einem ausführlichen Aufsatz nach Erscheinen des zweiten Teils darauf zurück, vorläufig fei 'es jedem wissenschaftlich Interessierten aufs wärmste empfohlen, wenn auch Vorsicht und klare Stellungnahme ihm gegenüber anl Platze ist. (Fortsetzung 3. Umschlagseite.) Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstratze 22. Sür die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt L Gleiber, Frankfurt a.M., Bieber-Gasse 6.

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