Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3126481-3126593-3126594--2438-3129290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1(5 Rundschau gewählt wurde. Die folgende Zeit bis in das Frühjahr \ty\S hin, wurde mit Vorbereitungen für die Gründung des jüdisch-liberalen Zugendvereins ausgefüllt. An dieser Gründung war vor allen Dingen unser Vorstandsmitglied, Herr Dr. Seligmann, in hervorragender weise beteiligt, auch der ganze Vorstand und demnächst der Verein selbst nahmen erheblichen Anteil. Unser Ausschußmitglied, Herr Mtto Fritz Auerbach, war sofort bei der Gründung auch Vorstandsmitglied des Zugendvereins, wodurch von Anfang an der Konnex zwischen beiden Vereinen aufrecht erhalten wurde. Die Gründung des Vereins wurde von uns lebhaft begrüßt und tatkräftig, unter anderem auch durch Geldmittel, unterstützt. An den Gründungsverfammlungen nahmen Mitglieder unseres Vorstandes und Ausschusses teil und beteiligten sich auch an den Debatten. Dem Vorstände des Vereins wurde das Recht eingeräumt, ein Mitglied in den Vorstands des Zugendvereins zu delegieren, hierzu wurde Herr Rechtsanwalt Dr. Rudolf Geiger ausersehen und benannt. Derselbe ist seitdem in diesem Amte in reichem Maße tätig. Die letztjährigen Ausschußwahlen' zum Gemeindeausschuß vollzogen sich in der beabsichtigten weise. Die durch Vereinbarung der 'beiden Vereine aufgestellten Herren Michael, Albert Rahn und Sanitätsrat Hanau, wurden gewählt. Geffentliche Veranstaltungen konnten mit Rücksicht auf die Eingangs erwähnten Umstände nicht stattfinden. Der Verein hielt es für richtig, mit Rück-' sicht auf eine große Reihe von Zurücksetzungen, die der liberale Teil der Gemeinde in letzter Zeit erfahren hat, und mit Rücksicht darauf, daß insbesondere den liberalen Rabbinern der ihnen zukommende maßgebliche Einfluß nicht eingeräumt wurde, durch eine -entsprechende Eingabe beim Gemeindevorstand vorstellig zu werden. wegen der bevorstehenden Ausschußwahlen sind Verhandlungen über eine Verständigung zwecks gemeinsamer Randidaten-Aufstellung mit dem (Lentralverein wieder wie in früheren Zähren eingeleitet worden und von Erfolg gekrönt gewesen. An Stelle des ausscheidenden Herrn Dr. Mainzer wurde von unserer Seite Herr Dr. Rudolf Geiger namhaft gemacht, während von der Gegnerseite für zwei ausscheidende konservative Kandidaten die Herren Naphtali Frank und Fritz Sondheimer vorgeschlagen wurden. Der Lentralverein hat unseren Kandidaten akzeptiert. Am 25. November fand eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Herr Dr. Rudolf Geiger über die demokratische Umgestaltung der Gemeindeverfassung referierte. Die Versammlung war gut besucht und es wurde im Anschluß an den Vortrag und eine sehr rege Debatte, eine Resolution einstimmig angenommen, in welcher vom Gemeindevorstand insbesondere die Einführung eines demokratischen Wahlrechts für Männer und Frauen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl, sowie eine weitere freiheitliche Ausgestaltung des Gemeinderegulativs verlangt und insbesondere die Durchführung dieser Forderungen im Wege des autonomen Gemeindebeschlusses gefordert wurden Zn der Resolution ist mit Rücksicht auf die durch die Revolution geschaffenen Verhältnisse auf sofortige und durchgreifende Erledigung der betreffenden Beschlüsse besonderer wert gelegt. Wie wir erfahren haben, sind bereits Verhandlungen im Gange, durch welche den von uns ausgesprochenen wünschen Rechnung getragen werden soll, und es ist zu hoffen, daß wir nunmehr baldigst eine Gemeindeverfassung erhalten werden, die den modernen Anforderungen entspricht.^. Der Vorstand. Münster, \\. Dez. \S. Der hiesige, erst vor kurzem gegründete Grtsverein veranstaltete gestern seinen zweiten Vortragsabend. Herr Prediger Keßler-Münster sprach über: „Die Entwickelung des liberalen Zudentums im XIX. Zährte u n d e r t" und errang mit seinem formvollendeten und zugleich geschichtlich interessanten vortrage vielen Beifall. Der Saal war übervoll, nicht zum mindesten durch die Anwesenheit zahlreicher aus dem Felde heimkehrender und neu immatrikulierter Studenten, wiederum legten zahlreiche Neuanmeldungen zum Beitritt — (der junge Verein hat jetzt etwa 60 Mitglieder) — Zeugnis ab, daß Münster nicht umsonst den Ruf genießt, für den jüdischen Liberalismus eine kräftige Stütze I zu bilden. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 22. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich Dr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt L Eleiber, Frankfurt a. M., Bieber-Gasse 6.