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Liberales Judentum · 1917-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1917) · p. [Seite]

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Liberales Judentum monatsfchrift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffdiland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. M.; No. 5 und 6. Jahrgang 9. Mai u. Juni 1917. Gegenwart und Zukunft des Liberalismus im Judentum. Van Rechtsanwalt fi. Stern, (Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland. c oft der Sat) auch ausgesprochen ist, wir müssen es uns stets von neuem wundernd - vor Augen Halten, in welch neue Bahnen unser Leben in den letzten drei Jahren hineingeworfen wurde, wie nicht nur unser äußeres Dasein von Grund aus umgestaltet worden ist, sondern wie vor allen: unser Innenleben auf eine Probe gestellt wurde, wie sic ivohl noch kein Menschengeschlecht hat über sich ergehen lassen müssen. Anschauungen, Wertungen, die wir unzerstörbar festgelcgt glaubten als unverlierbares Erbe der gesitteten Menschheit, sind in Trünnner zerschlagen oder wenigstens fürlange Zeit in den Hintergrund unseres Erlebens gedrängt worden. Auf der anderen Seite sind Gedanken und Gefühlswerte, Güter der Seele, deren man fd^on für immer entraten zu können glaubte, in einer Macht vor uns aufgestanden, daß wir nur staunend uns davor als vor einem lichten Wunder neigen müssen. . * Zu diesen neu erstandenen Menschheitsaütern gehört vor allem die Religion. Nicht, daß es die Religion not gehabt hätte, durch einen Weltensturm von Schlacken und Schatten befreit zu werden; — nein, wir Menschen brauchten wohl dieses Geschehen ohnegleichen, um reif zu werden für den Segen, den uns die Religion zu gewähren vermag. - Niemals noch hatten wir es so verspürt, hier das Gefühl der Nichtigkeit des einzelnen und dort das Bewußtsein, ein Glied des größten Ganzen zu sein, das sich Menschenseelen erträumen können, des Vaterlandes, hier ein zu Boden Geworfensein, dort ein Langen nach den Sternen, hier die Ohnmacht den Tritten des Schicksals gegenüber, dort das Sich-Emporrecken über die Schranken des Endlichen, das erhebende Gefühl, im Plan der Welt ein wert zu sein, fähig, das Größte zu geben für das Größte, das eigene Leben für das Schicksal derer, die nach uns kommen sollen! \' Dieser geheimnishehre Schwung der Seele, dieses Einordnen des eigenen Ich in den Weltenxlan, dieses denmtsvolle Erkennen eines waltenden Willens, das war Ruacb Adonoj, der Atem Gottes, das war die Befreiung des verschütteten religiösen Gefühls,, der Sieg der Gottcsidee, vor dem wir uns alle anbetend neigten., Dieser Aufschwung der Seele zeigt sich auch noch heute. Denken wir au die schwere stille Arbeit eines ganzen Volkes, sehen wir, wie unsere Frauen und Mütter in stillem Heldentum ihr Liebstes hingeben, und opfern,

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