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Liberales Judentum · 1916-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1916) · p. Seite 72

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1916)
Date
1916-05-01
Page
Seite 72 (sequence 24)
Language
German
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72 Aus der Jugendbewegung zunächst die Bedeutung der Arbeit unserer Jugendorganisation hervorhob. In kürzen Worten behandelte er dann die verschiedenen Aufgaben, die der Liberalismus noch zu lösen hat und zeigte die unbedingte Notwendigkeit liberaler Arbeit. Seine begeisterten Ausführungen gipfelten in dem Satze: „Das Judentum ^vird liberal'sein, lodeck es wird nicht sein." . Herr Justizrat Heiser hielt hierauf seinen Vortrag über das Thema: „Aus der Verwaltung der Synagogengemeinde Breslau." Der geschätzte Redner gab zunächst 'einen geschichtlichen Ueberblick über die schweren Kämpfe, die die Breslauer Iudenheit zu bestehen hatte, ehe sie hier festen Fuß fassen konnte und von dem starken Widerstand, den die Orthodoxie jeden Neuerung >int Gemeindeleben entgegenbrachte, so daß oft, wie z. B. bei Ordnung des Schulwesens, die Behörden einschreiten mußten. Gr. sprach dann von dem Auftreten Abraham Geigers, der für die Entwicklung des liberalen Gedankens und seine praktische Anwendung im Gemeindeleben unendlich viel geleistet hat. Es wird Hflicht der liberalen Juden Breslaus sein, auch in Schlesiens Hauptstadt unsere Ideale zu verwirklichen; denn nur durch fortschreitende Entwicklung wird das Judentum kräftig und widerstandsfähig bleiben. Den Ausführungen der beiden Herren Redner, die wir seit längerer Zeit zu unseren Rlitgliedern zählen dürfen, folqte lebhaftester Beifall. Nach dem Schlußwort des Herrn Alfred Berger, das in einen begeisterten Ruf zu unabläßlicher praktischer Arbeit der Jugend im Verein mit dem Elternhäuse unter besonderer Würdigung der vorbildlichen Tätigkeit unserer unvergeßlichen Alitglieder Siegfried Laqueur und Kurt Fabisch ansklang, schloß unser Vorsitzender, Herr Erich Bayer, um fOV? Uhr die Versammlung mit Dankesworten und dem Wunsche der Wiederaufnahme unserer Tätigkeit im Frieden. Es sei noch bemerkt, daß wir in diesem Winter 66 Mitglieder gewonnen haben; unsere Mitgliederzahl beträgt z. Z. 266. '^Walter Tohn. ' Kurt Fudisch, gefallen im August bei den Kämpfen im Osten. Wenn erst heute die Verdienste unseres Kurt Fabisch an dieser Stelle gewürdigt werden,-so liegt das an den kriegerischen Ereignissen der letzten H tonale, d.ie unseren im Felde weilenden Vorsitzenden, Herrn cand. phil. Albert Wolfs, an der Fertigstellung des von ihm übernommenen Nachrufs behinderten. - Fabischs Verdienste würdigen, heißt einen Ueberblick über das Entstehen und die Entwicklung unserer Jugendbewegung geben. Fabisch gehört zu den Gründern unseres Vereins. Unentwegt arbeitete er an dem inneren Ausbau der Organisation, und von seiner hingebenden Tätigkeit zeugten die Arbeiten der Literaturgruppe, die er in Gemeinschaft mit dem ebenfalls im Dienste des Vaterlandes gestorbenen Herrn Kurt Koeßler leitete: — Sein größtes Verdienst aber ist'die Gründung der „Studiengruppe für religiöse Fragen", deren Leitung er späterhin übernahm, und die heute noch in der „Diskussionsabteilung" unter Vorsitz von Herrn Rabbiner Dr. Felix Goldmann, Oppeln, fortbesteht. Einen großen Teil praktischer vereinsarbeit leistete er nebenbei, die er späterhin noch durch seine Berufung in den Vereinsvorstand erhöhte. Bei Kriegsausbruch meldete er sich freiwillig bei einem Infanterie-Regiment und rückte nach verhältnismäßig kurzer Ausbildungszeit ins Feld. — — Auf den Idealen unserer Bewegung hatte er sein Lebensglück aufgebaut, und von seiner Liebe zum Verein zeugte der rege Briefwechsel, den er gnit uns auch vom Kriegsschauplätze aus unterhielt. Durch sein Hinscheiden sind wir schwer getroffen. Der Verein, hat es als seine Ehrenpflicht betrachtet, unseren lieben Kurt Fabisch zum „immerwährenden Mitglied" zu ernennen. Unsere Hflicht aber ist es, in seinem Sinne weiter zu arbeiten. Breslau, Ende März \ty\6. Gurt Brienitzer. Herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 22. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. C..Seligmann, Frankfurt a. 2Jh, Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt L Eleiber. Frankfurt a. M., Bieber-Eaffe 6.

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