Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3126481-3126571-3126572--2040-3128876- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JTlonatsfchrift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben oon der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffdtland unter der Redaktion van Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in Frankfurt a. M. No. 1 und 2. Jahrgang 8. Januar u. Februar 1916. Deufkhtum und Judentum. Von Dr. Caesar Seligmann-frankfurt a. Ul. eutfchtum und Judentum. Diese Ueberschrift schließt verschiedene Möglichkeiten der Problemstellung ein. Entweder man faßt Deutschtum und Judentum als mehr oder minder schroffe Gegensätze auf, zu dem Zwecke, die Unvereinbarkeit beider zu erweisen. Das kann von zwei entgegengesetzten jDarteistandpunkten aus geschehen, von dem deutsch-natronalen, um die These von der Unvereinbarkeit des Deutschtums mit dem Judentum zu verfechten mit der Absicht, die Iudenh^it ans dem deutschen Leben auszuschlreßen. Oder von dem jüdisch-nationalen, um die Unvereinbarkeit des Judentums mit dem Deutschtum zu behaupten vnd gegen Assimilation und Assimilanten zu Wettern. Die Einen wollen um der Reinheit des Deutschtums willen das Judentum, die Andern um der ^Reinheit; des Judentums willen das Deutschtum lausschbeßen. Man könnte auch versucht sein, Deutschtum und Judentum als inkommensurable Größen anzusehen. Deutschtum ist vorwiegend Nation, Judentum nur Religion. Deutschtum ist ein Komplex von nationalen, geographischen, politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Momenten; Judentum ist die Religion der jüdischen Deutschen, die nur in ihrer Religion, in sonst Vichts von den christlichen Deutschen verschieden sein wollen. Mit dem (Christentum also, aber nicht mit dem Deutschtum könne man das Judentum vergleichen. Ein nachdenkliches Eindringen in das geschichtliche Werden des Deutschtums und des Judentums aber zeigt, daß offenkundige kulturelle, geistige Beziehungen zwischen Beiden bestehen. Und sollten nicht die geistigen, die idealen Momente die wesentlichen sein? Zum mindesten für den idealistischen im Gegensatz zum materialistischen Geschichtsphilosophen? Für den, der sich zu dem Dichterwort bekennt, daß der Geist es ist, der sich den Körper baut? Diesen dritten Weg geht Hermann Lohen in seiner Schrift: „Deutschtum und Judentum." *) Das ist das charakteristische an Lohens Schrift, daß. sich dem weltüberschauenden Blick des idealistischen Philosophen die Wesenheit anders offenbart als dem gewöhnlichen Auge. *) Von deutscher Zukunft 1. Stück. Deutschtum und Judentum. Mit grundlegenden Betrachtungen über Staat und Internationalismus von Prof. Hermann Cohen, Geh. Regierungsrat. 3.-8. Tausend. Verlag von Alfred Töpelmann in Gießen, 1915. (Preis 1 Jf,)