Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 7/8 (1915)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- Seite 92 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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92 O O o o Erdicht: An meinen Sohn im Felde fln meinen Sohn im felde. Märchenschöne Sabbatstille, Und von draußen tönt kein Laut. Nur ein fernes Rinderlachen, Sehnsuchtweckend süß - vertraut. Mahnend an stillsel'ge Tage, Da auch mein Rind.froh gelacht. Da mit heißer Muttersorge Ich sein junges Haupt bewacht. Träumend schließe ich die Augen, Und die Jahre gleitend fliehn, Schleierfein gewobne Träume Süll durch meine Seele ziehn. All' das grausame Trieben Sinkt in wesenlosen Schein, Und in golden-ferne Zeiten Spinnen mich die Träume ein. . Und ich seh' ein Lockenköpfchen Und zwei Augen tief und groß, Eingebettet sitzt mein Bübchen Auf dem weichen Mutterschoß. Doch die Rraft wächst und der Mille, Scheu des Rnaben Stolz erwacht, Und er stürmt ins volle Leben, Das mit tausend Freuden lacht. Und der Rnabe wird zum Jüngling, Er entgleitet meiner Hand, Immer hat er heimgefunden In sein heil'ges Rinderland. Ausgeträumt sind meine Träume, — Und der Jüngling ward zum Held Hartgeschmiedet auf der Malstatt, Auf dem blutgetränkten Feld. Herbstlich färbten sich die Blätter, Als des Abschieds Stunde schlug. Mieder blüht die Herbstzeitlose, Und des Rampfs noch nicht genug. Noch hast Du nicht heimgefunden. Doch mir bleibt der Hoffnung Glück: Einmal schlägt die Friedensstunde, Einmal kehrst Du mir zurück!