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Liberales Judentum · 1914-12-01 · Heft 12 (Dezember 1914) · p. Seite 236

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 12 (Dezember 1914)
Date
1914-12-01
Page
Seite 236 (sequence 16)
Language
German
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-236 Ans der Jugendbewegung — Berichtigung o o o o flus der Jugendbewegung. Indisch - liberaler Jugendnrrrin Breslau. Gleich nach Schluß der Feiertage, am \% Oktober nahmen wir unsere Vereinstätigkeit wieder auf. Vor zahlreicher Zuhörerschaft hielt zum ersten Male seit Bestehen des Vereins ein weibliches Mitglied, Fräulein ftud. phil. Magda Grünthal, einen nach Form und Inhalt gleich vollendeten Vortrag über „Heinrich Seines Stellung zum Judentum". Durch die klaren und mit Zitaten des Dichters reichlich durchsetzten Ausführungen zeigte uns die Rednerin den Entwicklungsgang, welchen Li eine in seinem Verhältnis zum Judentum und zur Religion überhaupt durchgemacht hat. Lebhafter Beifall belohnte die Rednerin für die Mühe und Sorgfalt, die sie auf die Bearbeitung dieses Themas verwandt hatte. Den besonderen Dank des Vorstandes sprach unser Schatzmeister, Herr Alfred Berger, aus, der auch die Versammlung eröffnet und.geleitet hat. An den Vortrag schloß sich eine Diskussion an, in der zwei Mitglieder das Wort ergriffen. Für den folgenden Vereinsabend, der am 2\. Oktober irrt Tafs-Restaurant stattfand, hatten wir als Redner den stellvertretenden Rabbiner unserer Gemeinde, Herrn Dr. Sali Levi, gewonnen. Seine lehrreichen Darlegungen über „Moses Mendelssohn und seine Zeit", welchen weit über f00 Personen tnit Interesse folgten, machten uns nicht nur ntit dem Leben und der Weltanschauung Mendelsohns bekannt, sondern auch >mit dessen unschätzbaren Verdiensten um .die politische und geistige Emanzipation der damaligen Iudenheit. Den aufrichtigen Dank für diesen Vortrag brachten die Zuhörer dem Redner durch anhaltende Beifallsbezeugutrgen zum Ausdruck. Unser f. Schriftführer Ralph Lewin, eröffnete und leitete diesmal die Versanunlung. Nach vierzehntägiger Ruhepause hielten wir in den Räumen der Spinoza-Loge, die uns für unsere Zwecke künftighin zur . Verfügung gestellt wurden, eine neue Versammlung ab, in welcher unser außerordentliches Mitglied, Herr Rabbiner Goldmann-Oppeln, über den „Optimismus als Grundzug des Judentums" sprach. An der Hand der Bibel und der jüdischen Geschichte bewies er in überzeugender Meise, daß innerhalb des Judentums stets die optimistische Lebens- und Weltanschauung geherrscht hat, und ermahnte uns, an ihr festzuhalten, doch zugleich in Erinnerung an die schweren Enttäuschungen, die wir ja oft ihretwegen erleben mußten, nicht vertrauensselig die Gestaltung unserer Zukunft anderen zu überlassen, sondern wie bisher selbst an ihr, besonders in den mannigfachen Organisationen, mitzuarbeiten. Dem Redner wurde seitens der in großer Zahl erschienenen Zuhörer starker Beifall gezollt; für den Vorstand dankte unser zweiter Vorsitzender, Herr Zahnarzt Engel, der auch die Versammlung geleitet hat. Unser bisher letzter Vereinsabend fand am \7. November statt. Für diesen Abend hatte Herr Dr. Nellhaus den Vortrag übernommen. Sein Thema lautete: „Die Krisen innerhalb des deutschen Judentums zu Beginn des O. Jahrhunderts". In seinen Ausführungen wies der Redner nach, in welcher Weise sich, von Mendelssohn, dem Regenerator Israels, ausgehend, der Kampf der Iudetr ums Recht, ihr Eintritt in die moderne Kultur und die Reformierung ihres eigenen Geisteslebens vollzogen hat. Zuletzt sei ndch berichtet, daß fortan an jedem Montag der Woche, in welcher kein Vortrag stattfindet, ein Abend veranstaltet wird, an dem unter Leitung eines Theologen ausgewählte Abschnitte aus den Propheten gelesen werden. Wir können mit Befriedigung auf unsere Vereinstätigkeit zurückblicken. Das trotz der schweren und ernsten Zeiten unseren Bestrebungen entgegengebrachte Interesse erhöht unsere Arbeitsfreudigkeit und läßt es uns als ratsam erscheinen, auf dem bisher eingeschlagenen Wege rüstig weiter zu schreiten. Breslau, Ende November \ty\% Berichtigung: In der Korrespondenz aus Königsberg i. Pr. der vorigen Nummer ist durch ein Versehen des Setzers der Name des für seine Verdienste auf dem Gebiete der Liebestätigkeit ausgezeichneten Lzerrn ausgefallen. Es ist das Vorstandsmitglied der Königsberger Ortsgruppe für das liberale Judentum, Herr wolffh eim. (D. Red.) Herausgegeben von der Verewigung für das liberale Judentum Berlin "W. 8, Mauerstraße 22. fviir die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. C. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Vvigt & Eleiber, Frankfurt a. M>, Bieber-Gafse 6.

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