Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 6 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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144 Rundschau Nrgensburg. Fabrikbesitzer Alfred Binswanger. Bankdirektor I. Haymann. Rechtsanwalt Dr. Heidecker. Bankier August Strauß. Speyer. Sigmund Herz. I. Altschüler. £. Scharff. Lehrer £. Waldbott. Mnrchurg. Iustizrat Dr. 3- Freudenthal I. Fabrikant Hermann Reiß. Iustizrat Dr. Bruno Stern. Am 28. November v. I. fand in Augsburg eine von sämtlichen Mitgliedern der Verwaltung und des Ausschusses der israelitischen Gemeinde einberufene Versammlung statt. Als Hauptg eg enstände der Tagesordnung waren in dem Einleitungs-Zirkular bezeichnet: s. Bericht über die liberale Bewegung der Juden Deutschlands und Bayerns. 2. Antrag auf Begründung eines Grtsvereins der liberalen Juden. In dem wirkungsvoll abgefaßten Zirkular heißt es u. a.: Eine kraftvolle liberale Organisation ist ein absolutes Erfordernis; dieselbe ist unentbehrlich, um dem Gemeindeleben neue Impulse und Anregungen zu verleihen und um die Gleichgiltigkeit zahlreicher Glaubensgenossen erfolgreich zu bekämpfen, welche allen Vorgängen in der jüdischen Gemeinde teilnahmslos gegenüber stehen und dem Judentum zu entfremden drohen . . . Unsere Gemeinde ist stets im vordertreffen für die liberalen Institutionen und für die idealen Güter des Judentums gestanden. Hier, wo zur Zeit des deutschen Völkerfrühlings die zweite Synode unter der Leitung des Professors Lazarus tagte, wird hoffentlich die Begeisterung für die liberale Ausgestaltung des Judentums ihre werbende Kraft ungeschmälert äußern. — Zürn Schlüsse richtet das Zirkular die eindringliche Bitte an die Frauen, an der Versammlung teilzunehmen. Nachdem IustizratLudwigBauer die zahlreich besuchte Versammlung begrüßt und insbesondere dem Rabbiirer Dr. Groß für sein Erscheinen gedankt hatte, begründete er ausführlich die Motive, welche die Einberufung der Versammlung veranlaßt haben. Unter Bezugirahme auf den Berliner urrd Nürnberger Aufruf legte er die Gründe dar, welche es als notwendig erscheinen lassen, daß sich auch in Augsburg eine liberale Organisation bilde zur Belebung des Gemeindelebens; denn bisher habe die Gelegenheit gefehlt, daß sich die Gemeindevertretung nüt den Gemeindemitgliedern ständig über wichtige Fragen, die das Judentum und die Gemeinde betreffen, aussprechen konnte. Im weiteren verlaufe seiner Rede betonte der Redner auch die Reformbedürftigkeit einzelner jüdischer Institutionen, insbesondere des Gottesdienstes und die Notwendigkeit, auch für den Austrag dieser Fragen einen Mittelpunkt in der Gemeinde zu schaffen; endlich führte er noch aus, daß, nachdem sich die Orthodoxen kraftvoll organisiert hätten, auch eine Organisation der liberalen Elemente des Judentums unabweisbar sei, und daß insbesondere die beiden jüngsten Tagungen des bayerischen Landesverbandes der israelitischen Gemeinden dies jedem Teilnehmer dieser Tagungen überzeugend zum Bewußtsein gebracht haben müssen. Sodann ergriff Rabbiner Groß das Wort. Man wisse in der Gemeinde, daß er liberal sei, und daß er speziell eine Reform des Gottesdienstes freudig begrüße, wie auch jede Bestrebung, die das Innenleben und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gemeindemitglieder zu fördern geeignet sei. wenn er auch durch seine Stellung als Rabbiner nicht bis an die äußersten Grenzen der liberalen Parteiprogramme mitgehen könne, so werde er jederzeit, soweit es ihm möglich sei, die Bestrebungen des zu konstituierenden Vereins unterstützen und fördern. An die Ausführungen beider Redner schloß sich eine äußerst lebhafte Diskussion an. Die Gründung des Vereins wurde mit überwiegender Majorität beschlossen; es sind demselben bis heute ca. O0 Mitglieder beigetreten. Lerausgegeben von der Vereinigung für bas liberale Judentum Aerlin C 2, öveiligegeiststraße 52. Mr die Redaktion und den Verlag verantwortlich Dr. Ä. Seligmann, Frankfurt a. AI., Viefenan 50. Druck und Ärpeöition von Voigt <fe> Kleiber, Frankfurt a. Al.. Vibergasse 6.