Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
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40 Liebsten hätten seine von Frankreich gereizten Gegner ihn zu Schiffe zurückbefördert. Conegliano war aber in seiner Ueberzeugung von der Ruhebedürftigkeit der Türkei und selbst der Friedensbereitschaft einzelner ihrer führenden Männer nicht zu erschüttern. Es entgieng ihm auch der Humor der Situation nicht, wie die Bestrebungen der Mächte den verkehrten Erfolg hervorbrachten, der Friedens Vermittler dem Krieg, der Kriegssehürer dem Frieden in die Hände arbeitete1). Er sah, wie das überlaute Pochen des französischen Botschafters auf die Siege seines Königs, die Verwüstung der Rheinufer, die Niederwerfung Savoiens in den Türken die Furcht nährte, der Kaiser werde mit Frankreich, dem eben nicht getraut wurde, Frieden schliessen, um sich dann mit voller Wucht auf die Osmanen zu werfen. Es schien ihm das Beste, Herrn von Chäteauneuf gewähren zu lassen, um dem Frieden zuzutreiben, der dann wie eine reife Frucht den Unterhändlern zufallen werde. Ein geheimes Bangen vor der Herrlichkeit des allerchristlichsten Königs, ihres unnatürlichen Bundesgenossen, und die natürliche Schlauheit hielten die Türken eben trotz des Glaubens des französischen Botschafters an' seine Allmacht immer noch davon ab, sich mit gebundenen Händen seinen Weisungen auszuliefern. Zwischen diesem scheinbaren Herrn der Lage, dem Marquis de Castagneres, und Israel Conegliano bestand aber trotzdem das beste Verhältniss. Gefiel sich doch der Botschafter Frankreichs, in dessen Schutz sich auch Conegliano begeben hatte, gewissermassen in der Rolle, die Vorsehung der Venezianer zu spielen. Es war ein Gebot der Klugheit, zur Wahrnehmung der Interessen des venezianischen Handels ihn warm zu erhalten und, so viel es sich nur thun Hess, mit ihm zu gehen. Conegliano liess sich sogar dazu bereit finden, ihm seine Dienste zu leihen, wenn es ohne Schaden der Republik geschehen konnte. So handelte es sich ihm darum, einen Grafen Mer ein, der ihm in Constantinopel wegen seiner Beziehungen zu den Holländern und durch geheimnissvolle Aeusserungen verdächtig geworden war, scharf über- 1) S. Anhang. V, 18.