Mannheim
Compact Memory

Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1895-01-01 · [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895) · page 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3122061-3122086--2744-3124152
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

37 In ruhigen Zeiten ohne schwere Verwickelung wäre er gleichwohl der beste Grosswezir gewesen; der jetzigen Lage war er, wie Conegliano alsbald durchschaute, nicht gewachsen, wie er denn in der That am 13. März des Jahres 1694 bereits seine Stelle einbüsste1). Besser konnte es freilich, wie wiederum Conegliano erkannte, auch kein Anderer machen. Jeder Grosswezir erschien ihm wie ein von Hunden gehetzter Stier, vom Zahn der Schmeichelei, wie er sagt, ins Verderben getrieben. Eine feile und feige Umgebung erhebt ihn so lange zu einem Helden und Kriegsgott, bis er an sich selber zu glauben anfängt und Friedensgelüste für Schwäche und Verrath an sieht. Leute, die zu Hause bleiben und für den Ausfall des Krieges keine Verantwortung tragen, wie der Mufti und die übrige Geistlichkeit, schüren die Kampflust. Ehe aber ein Unternehmen ausgeführt oder vollends gelungen ist, hat der Grosswezir bereits einem Nachfolger weichen müssen, und so bleibt es, da der Krieg bereits da, der Friede aber erst zu schaffen ist, in der Türkei trotz des allgemeinen Friedensbedürfnisses beim Krieg. Mustafa Biiklüpascha war freilich noch dazu so sehr in der Hand seiner Räthe, dass er auf Conegliano in Adrianopel mehr den Eindruck des Präsidenten einer Republik als den eines Grosswezirs machte. Ewig in Berathung mit dem Mufti, den beiden Kadilaskern, den Oberrichtern von Rumili und Anatoli, der europäischen und asiatischen Reichshälfte der Türkei, mit dem Tartarenchan, dem Janitscharenaga, dem Defterdar und Reis, d. i. den Ministern der Finanzen und der auswärtigen Angelegenheiten, hatte er so wenig Selbstständigkeit und Geltung, dass er den Wühlereien seines KaYmakam Calaili in Consfantinopel zum Opfer fiel, denen vorher schon sein Freund der Tartarenchan Seadetgirai seine Absetzung zuzuschreiben hatte2). Am Traurigsten zeigten sich die Wirkungen der launenhaften und kopflosen Veränderungen in den obersten Regierungstellen in dem Umspringen mit den besten Heerfüh-!) Ib. 289; Hammer a. a. 0. 931. 2) Hammer־Purgstall, Geschichte der Chane der Krim 171.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.