Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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19 für sein Fach vorbereitet, sondern in die Bildung und Cultur seines Landes und seiner Zeit eingeführt, hatte er im Umgange mit Politikern und auf dem Manövrirfelde praktischer Staatskunst, wie es die Nähe der hohen Pforte bot, rasch begriffen, worauf es der Republik ankam und was die Gfe־־ bietenden in der Heimath, die durch ihre Botschafter gern in Herz und Nieren der fremden Staaten blickten, zu erfahren verlangten. Der Kundschafterdienst, der von Yenedig aus organisirt war, hatte nicht nur das augenblickliche Interesse des Staates wahrzunehmen, sondern Mappirungsarbeiten zu leisten, aus denen für die Zukunft das innere und verborgenste Leben der fremden Länder erkannt und abgelesen werden konnte. Aus dieser geschärften, über alle Yorgänge und Faktoren des öffentlichen Lebens gleich ausgebreiteten Wachsamkeit hat sich jene Kunst der Berichterstattung ausgebildet, in der die Botschafter Venedigs die Meister ihres Faches wurden, Honigbienen der Geschichtsschreibung, bei denen die Sprache das Wachs vertrat, in dessen Waben sie ihre reichen und nützlichen Wahrnehmungen und Beobachtungen eintrugen. In dem Kaufmannsstaate Yenedig, in dem man Allen auf die Finger zu sehen wünschte und eine Art selbstthätiger Controle die Aemter überwachte, waren aber nicht nur die führenden Staatsmänner, die eigentlichen Geschäftsträger der Republik angewiesen, in Berichten und beim Ablauf ihrer Amtszeit in Finalrelationen von ihrer Wirksamkeit ein Zeugniss zu hinterlassen, sondern auch mehr im Hintergründe wirkende Beamte verpflichtet, selbstständig und schriftlich mit der Centralleitung zu verkehren. Durch diese Einrichtung hat auch von Männern, die za einer Art von Bildhauerarbeit in Schnee verurtheilt waren, deren geheim und ohne Zeugen mündlich betriebene Thätigkeit leicht der Augenblick verschlang, ein schriftlicher Niederschlag, ein bleibendes Bild ihrer Wirksamkeit sich erhalten. So hat auch von den Relationen Conegliano’s ein Theil wenigstens sich bis zu uns herübergerettet, die von der Schärfe seiner Beobachtung, von dem Grade seiner Darstellungskunst ein Zeugniss ablegen. Ist auch durch die Bedürfnisse des Augenblicksbildes, selbst abgesehen von der Laienhaftigkeit des Schreibers, jene hohe Kunst 2♦