Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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christliche Europa; jeder Tag konnte die Nachricht bringen, dass Wien verloren sei. Da erschien noch rechtzeitig im entscheidenden Augenblicke in der Person des Polenkönigs und einstigen Kronfeldherrn Johann Sobiesky der Retter und der Rächer: wie gebannt von seinem Zauber, floh fortan das Glück und der Sieg aus den Reihen der Türken. Kara Mustafa’s Uebermuth hatte am Längsten gedauert; am 12. September 1683 war Wien befreit, der Alp von der Christenheit genommen. Eben so rasch, wie sie angeschwollen waren, verliefen sich jetzt die Fluthen der Belagerer. Vergebens hatte der Grosswezir durch Köpfen und Würgen einiger Unterbefehlshaber den Zorn des Padischah zu beschwören versucht. Er sollte nie mehr den Grossherrn wiedersehen, nie wieder in den Schatten Gottes auf Erden treten. Als auch Gran gefallen und die Schlacht von Parkany verloren war, hatte auch seine Stunde geschlagen; am 25. December 1683 vor Mitternacht ward an ihm selber zu Belgrad der Hinrichtungsbefehl des Sultans vollzogen1). Die Siegesbotschaft von der wunderbaren Befreiung Wiens war auch in Venedig mit Jubel begrüsst worden. Gleich in der ersten Begeisterung hatte man den Prozess des Bailo niedergeschlagen und Donato freigesprochen. Wenn man aber die Befreiung vom Türkenjoch als den Anbruch einer in schwerer Erschöpfung heiss willkommenen Ruhezeit gedeutet hatte, so sollte man nur zu bald aus diesem Irrthum erwachen. Papst Innocenz XI. hielt jetzt nach der Niederlage der Osmanen mehr als jemals den Zeitpunkt für gekommen, in dem eine letzte Kraftanstrengung der europäischen Staaten die Macht des Islams für immer brechen könnte. Oesterreich und Polen waren für die heilige Liga rasch gewonnen. Jetzt galt es noch, die Signorie zum An- Schluss an den neuen Kreuzzug zu bewegen und ihrer Seemacht zur Vollendung des frommen Vertilgungswerkes sich zu versicheru. Vergeblich erhob Michele Poscarini mahnend ג) Ib. Die Widerlegung der Fabel, dass der Schädel Kara Mustafa’s nach der Eroberung von Belgrad am 6. Sept. 1688 von den Jesuiten nach Wien geschickt worden sei, wo er im bürgerlichen Zeughause aufbewahrt wird, s. ebendaselbst 819 n. 1. Zink eisen a. a. 0. 112 n. 2 wiederholt noch das Märchen.