Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 143)
- Language
- German
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140 Wenn es selbst möglich gewesen wäre, was freilich nicht minder eine bittere Täuschung war, die verlangten Lösegelder aufzubringen, sie hätten das Verkängniss nicht aufzuhalten vermocht. In der Stadt erhob sich ein wahres Angstgeschrei, als ob die Opfer sich auf einmal in Verfolger verwandelt hätten, der Kaiser den Juden gegenüber keinen Willen haben dürfte. Die Fürbitten, die sie ausgewirkt hatten, malte man aus, als ob sie Himmel und Erde für sich in Bewegung gesetzt hätten, die Anerbietungen, die ihnen dietirt worden waren, wurden zu unerhörten Bestechungsversuchen aufgebauscht, denen der Kaiser und seine Käthe nicht würden widerstehen können. Schon sah man sich um das so ungeduldig erwartete Schauspiel einer vollständigen Judenaustreibung betrogen, man fürchtete bereits, zu früh triumphirt zu haben. Es war Niemand auch nur der Gedanke gekomman, dass überhaupt Jemand für die Juden einzutreten sich versucht fühlen könnte, jetzt gab man auf einmal das Spiel verloren, die Wendung der Dinge war allzusehr überraschend; die plötzlichen und so masslos übertreibenden Gerüchte von dem siegreichen jüdischen Einfluss wirkten wie eine niederschlagende Enttäuschung nach vorzeitigem Jubel. Es mag an dieser Angst nicht Alles echt gewesen sein, aber um so entschiedener war die Wirkung, die sie nach oben hervorbrachte; es konnte nicht geduldet werden, so wusste man mit frommer Entrüstung es darzustellen, dass eine kaiserliche Entschliessung jüdischer Bestechung nicht sollte Stand halten dürfen. Die Juden geriethen dabei zwischen zwei Feuer. Nur wenn ihr Geld bringt, sagten die falschen und die wahren Freunde, könnt ihr bleiben. Sie müssen fort, schon weil sie Geld zu bieten wagen, so sprachen die Feinde, die das Ohr des Kaisers hatten. Dieser aber war seither keineswegs in versöhnliebere Stimmung versetzt worden, vielmehr dienten die Nachrichten, die aus den unablässigen Verhören der ungarischen Verschwörer zu ihm drangen *), nur dazu, die Unfehlbarkeit der Majestät, die Unverletzlichkeit und Unwandelbarkeit ihres Wortes und Ent- Schlusses ihn nur um so starrer hervorkehren zu lassen. Bald hatte man die deutlichsten Anzeichen dafür, dass an eine Aenderung seines Sinnes zu Gunsten der Juden nicht zu denken war; die kühnsten Fürsprecher fingen an, rechtzeitig einzulenken, die Ver- ג) Adam Wolf a. a. 0. 288 ff.