Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 135)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3122061-3122082--1610-3123786- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
132 Patent an alle Landesbehörden ergehen konnte, das den abziehenden Juden Mauthfreikeit und Schutz ihrer Person durch besonders ausgefolgte Pässe zusicherte 1). Jeder Tag brachte jetzt Jammerscenen und aufregende Vorgänge, da mit der Wegschaffung der ärmeren Schichten der Judenschaft unnachsichtig Ernst gemacht wurde. Am 18. April war wohl die Gemeinde in ihrer jetzigen Gestalt zum letzten Male vereinigt gewesen, um die Leiche ihres reichsten Mitgliedes, Jakob Koppel Pränkels, noch in die Erde ihres Wiener Friedhofes zu betten2). Sie ahnten noch nicht, dassdieses Opfer des Todes den Todten wenigstens nachmals ihre Grabesruhe sichern sollte. Aber man hatte doch auch nicht fatalistisch und unthätig mit verschränkten Armen das Verhängniss an sich herankommen lassen. Kaum war die Lähmung des ersten Schreckens überwunden, der erste Hoffnungsstrahl im Ghetto aufgegangen, als eine geschäftige Bewegung sich zu regen begann, die gesenkten Schwingen sich entfalteten, der erschlaffte Muth sich aufraffte, die Möglichkeit eines. Bettungswerkes ins Auge zu fassen. Es fehlte auch am Hofe an Männern nicht, die aus der Verlegenheit der Juden Vortheil zuziehen gedachten und für Gold die Brücken wiesen, die über den Abgrund zu tragen vermöchten. Hirz Koma und Leo Winkler, die in Folge geschäftlicher und gesellschaftlicher Beziehungen zu den leitenden Kreisen zur Führung von Unterhandlungen mit denselben am Geeignetesten waren, traten hierbei als Bevollmächtigte der Ge» meinde auf. Man hatte einen Wink erhalten, dass ein Angebot von Hunderttausend Gulden als Geschenk der Judensckaft an den Kaiser vielleicht eine versöhnende Wirkung üben würde. Sofort beschloss man, in einem Memorial an die Krone diesen Versuch zu wagen. Nur tausend Juden, so lautete der erste der neun Punkte dieses Gnadengesuches, solle es durch ein ewiges Privilegium gestattet werden, in Wien zu verbleiben. Die übrigen zur Auswanderung Verurtheilten sollen 2. das Recht erhalten, in Osterreich sich besetzen zu dürfen 3. möge ein Generalpardon Sr. 1 ףb. 2) Inschriften Nr. 320. Nach S. G. Stern's Copie ist zu lesen: 'ד יעקב קאפל ס״ ל ז״ל בה״ר יצחק הלרי ם״ל ז״ל. G. Wolf, die jüdischen Friedhöfe in Wien 5, 15 behauptet irrthümlich, Frankel sei nicht in Wien gestorben, gegen seine richtige Angabe d. J. i. d. L. 53 n., Geschichte 53.