Mannheim
Compact Memory

Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 185

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
Die proletarische Internationale und die jiddische Sprache
Date
1914-06-30
Page
185 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3119801-3119814-3119817-3121937--1658-3122034
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vom jüdischen Leben und Schaffen 185 letariats In der grossen Arbeiterfamilie zu würdigen wissen. Er ist ein Resultat der grossen gewerkschaftlichen Organisationen in Amerika (250 ÖÖ00 gewerkschaftlich organisierte Jüdische Arbeiter in New-York!), des neuen Aufschwunges In Russland, der schönen Anfänge in Gallzieu usw- Ein Witz der Geschichte, der zu denken gibt Nicht nur die russischen.polnäschen, galizischen und rumänischen, sondern auch die Juden eines grossen Teiles von Nordungain sprechen jiddisch. Diese Talsache wird oft vergessen, und offenbar nicht ohne Grund Denn die Juden dieses Landstriches entbehren fast durchaus der Beziehung zu den modernen Erscheinungen und Prägen des Übrigen Ostjudentums, Sie sind nur *orthodox\ Dieses so unjildtsche und vor allem so ganz nichtosljüdische Wort hat sich bei ihnen zuerst eingebürgert Um so Interessanter ist es und steht fast wie einer jener Witze aus, die die Geschichte von Zeit zu macheu beliebt, dass gerade sie jetzt für die Anerkennung der jüdischen Sprache petitionieren — notabene bei einer Regierung, die wie keine andere die Assimilation der Juden in ihrem Programme hat Nun sind ja, soweit sich aus der Perne schliessen Jässt, weder die Ursache der Petition noch gewisse mögliche TVUkurtgen ihres allfälligen Erfolges danach angetan, eine ungemischte Freude aufkommen zu lassen: Es scheint sich nämlich darum zu handeln, dass die magyarischen Gewalthaber die Stimmen der Juden, die nur Jüdisch lesen und schreiben können und bisher als Analphabeten behandelt wurden» gegen die Slowaken brauchen* Trotzdem ist diese Petition um die Anerkennung von Giddisch doch ein Dokument seiner Vitalität Auch die dem ostjQdf sehen Gesamtheitsleben entfremdeten Juden am Nordrandc Ungarns, die niemals Mendale oder Perez gelesen haben, wissen doch sovic! von der neuen jiddischen Literatur, um sich der Regierung gegenüber auf sie zu berufen* Auch sie legen Zeugnis ab für das Leben der Jüdischen Sprache Auch sie rechnen mit diesem Leben. _ panu Aus der polono-hebralstischen Praxis Die Leser der »Freistatt" erinnern sich gewiss noch an den „historischen* Beschhiss der galizischen Zionisteu, das jüdische Erziehungsproblem durch die Errichtung hebräisch - polnischer Volksschulen und Kindergarten bei vollständiger Ausschaltung des Jiddischen zu »lösen-, (S, d Notiz; .Polono-Hcbraismus* im Fcbruarh 15)14 der ,Frcistatt') Diesmal soll etwas tiefer In die Werkstatt des Polono-Hebraismus hineingeleuchtet werden. In den letzten Monaten haben die galizischcn Hcbraisten wieder ihr Kindcrblatt .Haschachar* erscheinen lassen: natürlich in polnischer und hebräischer Sprache, Nur dass die hebräische Ausgabe als armseliges Beigabsei zur polnischen erscheint und kaum ein Viertel der letoteren ausmacht. 80 °/0 polnisch, 20 7* hebrilisch, so verstehen Klausners galizische Jünger die Formel: ^Geschäft und Gott*. Armer 20 °/#iger hebräischer Gott! Wie aber schaut der Geist dieser Zeitschrift aus* die doch die jungen Leser zu guten, stolzen, aufrechten Juden erziehen will. Wir finden dort gleich Im ersten Heft eine Skizze: Mein Lehrer, Dort wird erzählt, wie ein;J0jilhriger Mann während eines geschäftlichen Aufenthaltes in Palästina dadurch zur Erlernung der hebräischen Sprache veranlasst wurde, dass ein 3 jithriges Kind ihn als „stummen Juden* bezeichnete. Dieses Kind war a)so sein Lehrer Doch ein guter Polonohcbraist Iflsst keine Gelegenheit vorübergehen, ohne der jiddischen Sprache einen Seilenhieb zu verabreichen. So schildert denn der wackere Jugenderzicher, wie er den Knaben an einem Hügel fand, wo der mit einer Schaute! im Sande grub: ,Auf meinen Stock gelehnt stand Ich und beobachtete den Knaben und fragte Ihn dann in jiddischer Sprache: ,Was machst du hier?* Der Junge erhob das Haupt, steckte dife Schaufel in den Saud» iehtite sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.