Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 3 (30.6.1914)
- Article
- Die beiden Schwestern
- Date
- 1914-06-30
- Page
- 181 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Verse Hans vo n F lesen: Die beiden Schwestern Bei Tag steigt aus der engen Gasse Staub. Die beiden Schwestern müssen fleißig nähn. Nur selten darf man vor das Haustor gehn. Und sieht dann hinter Lagerhäusern Laub. j Das trübe Dach, das grüßt, ist dumpf und taub. Der Blick " will ganz In mattem Walzer stehn, Glaubt fromm inmitten Flickzeugs an die Feen, An feschen Jüngling, Ritter, roten Raub, Des Samstagsnacht scheint dies erfüllt zu werden. Der Nachbarsohn — auf daß er Freude künde — Reißt in den Himmel sie von grauen Erden. Das stille Mädchen zeigt verliebte Gründe, Und Mizzerl will sich dirnenhaft gebärden: Aus Tingel-Tangein lockt verreckt die Sünde. Das Fenster Höllenviereck meiner Traurigkeiten, Reichst ins Zimmer, das mit wenig Lichtern Steht vor abendlichen Ewigkeiten. — Draußen Dunkel; in den Spukgesichtern Gaukeln Tagestaten, die längst starben, Aengste, Maiwein, singt man Gassenlieder; Sechs-Uhr-Räusche, die bereits verdarben. Jede Einsamkeit steigt in die Glieder Bis zum Kopf; das Blühen macht mich schauern? Nacht, o weh — Ich seh's, ich werde durch das Fenster hupten, Als blutige Masse dann an Trauer-Mauern Dem nächsten Tage schattenfrech entschlüpfen. —