Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 3 (30.6.1914)
- Article
- Rausch der Mitternacht
- Date
- 1914-06-30
- Page
- 180 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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180 Verse Fernher kommen Träume mit schleichendem Schritt Und nehmen alle Dinge mit: Langen mit sanften Händen Nach den müden Häuptern. Aus den Wänden Dunkelt: Schlaf, der schirmend herniederglitt. — Da steigt aus den Häuptern geballter Dunst. Wie grauer Nebel flügehi Aus allen Dingen Rausch und Brunst, Und ein kühler Tag säumt auf rauchenden Hügeln. Häuser vor dem Regen Sic lassen keine Helle herein: Nebel fasert mit feuchten Händen Silbrige Fäden aus Dämmerschein Und spannt sie kühl über die lauschenden Wände. Ducken die Häuser sich tief, wie nach innen, Bücken sich, lauschen, ob nicht in den Rinnen Tönende Kunde von draußen erwacht; — Ob nicht wohl irgend auf dammrigen Stufen Schritte flehen und flüsternde Rufe; — — Ob nicht vielleicht auf den Oiebeln und Dächern, Ob nicht wo in den Lucken tind Löchern Sickernde Tropfen sich breit gemacht ... Nun wagt kein Fenster hinauszublicken, Alle sind blind. — Angst flügelt über ihnen wie Wind, Will sie packen, will sie umstricken: Erst lockend leise Mit Tropfen am Rand, Mit rinnenden Weisen Und glitzerndem Tand. — Es schließen sich drin in den Zimtnern die Klinken, An Türen und Toren knarren die Riegel; Schwermut preßt ihr dunkles Siege! In jedes Auge, auf jeden Mund Und läßt es fernher flatternd blinken. — Da werden die Stimmen verschwiegen und leise, Regen rauscht schwermütige Weiset